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Auf Teufel komm raus

D 2011. R,B: Julie Kreuzer, Mareille Klein. K: Gero Kutzner. S: Mechthild Barth. P: Kokon Film, Bayerischer Rundfunk, Westdeutscher Rundfunk.
82 Min. Real Fiction ab 12.5.11

Vernunftsschwanken

Von Cornelis Hähnel »Achtung Kinderschänder! 400 Meter rechts«, steht auf einem großen Schild an einer Straße im kleinen Ort Randerath. Der mehrfach verurteilte Sexualstraftäter Karl D. kommt nach der Entlassung aus der Haft im Haus seines Bruders unter. Der Ort ist entsetzt, denn Karl D. gilt als rückfallgefährdet. Täglich organisieren die Anwohner Proteste vor dem Haus des Täters. Die Regisseurinnen Mareille Klein und Julie Kreuzer haben knapp ein Jahr lang die Situation in Randerath mit der Kamera begleitet. Und sie haben sich dazu entschieden, beide Seiten zu zeigen. Draußen die Demonstranten. Drinnen den Täter. Und dessen unschuldige Verwandtschaft.

Präzise, ausgewogen und erschütternd ist das Ergebnis. Auf Teufel komm raus scheut sich nicht, den Täter zu Wort kommen zu lassen, ohne um Sympathien zu buhlen, denn die Tat ist stets präsent. Durch das Verschachteln der beiden Parteien zeigt er die Unlösbarkeit des Problems. Und er zeigt die Wirkungsweisen und Dynamiken sozialer Strukturen, die bei eben diesem emotionalen Thema die Pfade der Rationalität schon längst verlassen haben. Ohne sich als moralische Instanz zu geben lenkt der Film den Blick dorthin, wo es wehtut. Und überläßt den Zuschauer seinen Gedanken. 2011-05-06 12:54

Info

gesehen auf dem 32. Filmfestival Max Ophüls Preis

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #62.
© 2012, Schnitt Online

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