— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Saç

TR 2010. R,B: Tayfun Pirselimoglu. K: Ercan Ozkan. S: Erdinç Özyurt. P: Graal, Zuzi Film. D: Ayberk Pekcan, Nazan Kesal, Riza Akin, Derya Durmaz, Asiye Dinçsoy, Nazan Kirilmis u.a.
131 Min.

Mit Haut und Haar

Von Christin Prinzing Sac, einer der Gewinner des 30. Filmfestivals in Istanbul (Bester türkischer Film, Beste Regie, Beste Schauspielerin), hat in der Avantgarde des europäischen Films einen neuen Akzent gesetzt. Mit dem Film von Tayfun Pirselimoğlu beweist das türkische Kino erneut, daß es den Weg zur experimentellen Kunstform Film längst gefunden hat.

Sac (Haar) ist ein unauffälliger Film, der erst auf den zweiten Blick wirkt: einfach in seiner Erzählstruktur, aber stark in der Empathie zum Zuschauer. Die Geschichte startet langsam, einsilbig, doch Kamera und Dramaturgie bringen es nach kurzer Zeit fertig, in die Geschichte komplett einzutauchen, so daß sie einen neugierig macht. Der Film betont indirekt »nur« das Spiel der Schauspieler, nicht den Dialog. Die Farben sind satt, die Ausstattung banal, aber in sich stimmig. Alles ist authentisch und die Emotionalität spricht aus den Bildern, der Mimik und den Aktionen mit Ursache und Wirkung: »Eine Frau verkauft ihr Haar«. Ihr einziges Kapital, was sie besitzt. Verborgen unter ihrem Kopftuch, die Haarpracht, betritt Sie den Laden eines Perückenmachers. Ihr schwarzes Haar breitet sich vor ihm aus, er schneidet es ab und es ist um ihn geschehen. Er verliebt sich mehr und mehr in das Haar und fängt an die Frau zu verfolgen. Das Haar, ihr Schicksal, nimmt Einfluß auf sein Tun und Denken und es geht einem ein bißchen, wie dem Perückenmacher – man wird zum Voyeur und will wissen warum. Mutig und von einer schlichten Schönheit prägt sich ein Filmbild nach dem anderen ein. Bis zum letzten Bild bleibt es spannend und der Schluß verblüfft und macht Lust den Film nochmals anzuschauen. Sac beweist: die alten Zöpfe im türkischen Kino sind ab und eine neue Filmgeneration bekommt ihren Raum. 2011-11-23 08:55

Info

gesehen auf dem 30. Filmfestival Istanbul
© 2012, Schnitt Online

Sitemap