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Toomelah

AUS 2011. R,B,K,S: Ivan Sen. D: Michael Conners, Daniel Connors, Dean Daley-Jones, Christopher Edwards.
106 Min.

Am Scheideweg

Von Jochen Werner
Die Siedlung Toomelah, eine ehemalige Aborigine-Missionsstation, geriet im Jahr 1987 in die australischen Schlagzeilen ob ihrer katastrophalen hygienischen und sozialen Zustände. So teilten sich die 500 Einwohner einen einzigen Wasserhahn, der zweimal am Tag für 15 Minuten lief. Im Anschluß an den öffentlichen Aufschrei über Elend, Kriminalität und Verwahrlosung wurden staatliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände getroffen, immer wieder jedoch kamen neue Skandale ans Licht, und bis heute ist das Leben dort von Armut und Verwahrlosung geprägt. Der australische Regisseur Ivan Sen, dessen Mutter in Toomelah aufwuchs, schildert nun in seinem eindrucksvollen Film eine Jugend zwischen Drogen, »broken homes« und kriminellen Karrieren: Der zehnjährige Daniel fliegt wegen Schwänzens und aggressiven Verhaltens aus der Schule und muß sich nun entscheiden, sich entweder der mit Drogen dealenden Gang anzuschließen, mit der er durch Botengänge für seine Junkie- Mutter Bekanntschaft macht – oder doch in die Schule zurückzukehren und eine zweite Chance zu ergreifen. Erzählt ist das packend, unsentimental und angenehm zurückhaltend, in großartig kadrierten Bildern und realistisch-poetischem Gestus. 2012-11-28 15:58

Info

gesehen auf dem 2. Down Under Berlin

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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