Suburban War
Von Daniel Bickermann
Arcade Fire hatten schon immer Angst vor der Apokalypse vor ihrer Haustür: »The windows are locked now / So what’ll it be? / A house on fire? / A rising sea?« In diesem halbstündigen Kurzfilm, geschrieben von den beiden Bandmitgliedern Will und Win Butler, ist es eher der kurz vorher dazugereimte »World War Three«: ein »Suburban War«, den sie sich auf ihrem neuen Album ausmalen, der Gemeinde gegen Gemeinde und letztlich Freund gegen Freund antreten läßt. Es ist eine finstere Dystopie von militärischen Spezialeinheiten, die durch die Vorstädte streifen; von Straßensperren und Gepäckkontrollen; von Jugendlichen, die ihre Zeit mit Kriegsspielen verbringen, als würden sie den Ernstfall proben. Durch die Zusammenarbeit mit Spike Jonze, der immer noch mehr Zeit mit seinen Skater-Freunden verbringt als bei seinen erstaunlich originellen Ausflügen nach Hollywood, wird daraus eine bittersüße Teenager- Melancholie inmitten eines Kriegsgebiets. Daß die Form zwischen Musikvideo, Albumpromotion, Spielfilmskizze und eigenständigem Werk oszilliert, macht dieses überraschende Low-Budget-Juwel nur um so geheimnisvoller. Es strömt bei aller Professionalität etwas Seltenes aus: Die Liebe zum Film als solchem, unabhängig von der späteren Verwertung.
2012-11-12 11:15