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2000 Jahre Frühstyxradio

D 2008. R: Marc Stöcker. B: Oliver Kalkofe, Sabine Bulthaup, Dietmar Wischmeyer. P: Premiere. D: Oliver Kalkofe, Sabine Bulthaup, Dietmar Wischmeyer.
780 Min. Turbine Medien ab 29.9.08

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: Keine. Bf: 1.33:1 anamorph. Ex: Versch. Live-Shows, 24 Folgen aus dem SAT.1-Frühstücksfernsehen, Interviews, Musikvideos u.a.

Radio on TV

Von Nils Bothmann Mehrere Jahre gehörte das »Frühstyxradio« zu den Hauptattraktionen des norddeutschen Radiosenders ffn und erzielte mit seinem dreistündigen Sonntagmorgenprogramm Top-Quoten – zumindest für diesen Sendeplatz. Doch es war eh weniger die Quote (und die damit verbundenen Werbeeinnahmen), die das »Frühstyxradio« zum Prestigeobjekt machten, sondern der Kultfaktor, den das Programm bei seiner treuen Hörerschaft besaß. Etwas mehr als zehn Jahre nach der Einstellung der Sendung wird die sogenannte Videowerkschau auf die Fans losgelassen.

Letzteres ist tatsächlich wörtlich zu nehmen: Es ist ein Geschenk an die Fans, als eigentliches Produkt funktioniert die Box weniger. Das bunte Sammelsurium erfaßt verschiedenstes Bildmaterial (meist von Fernsehaufzeichnungen der Bühnenprogramme oder TV-Specials), die eigentlichen Radiosendungen finden sich eben nicht auf den insgesamt fünf DVDs der Box. Zudem stellen Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer, zwei Mitglieder der »Frühstyxradio«-Truppe, in ihrem DVD-Anmoderationen selbst immer wieder die Fragen: »Wie gut sind die Darbietungen gealtert?« und »Inwieweit funktionieren Radio-Sketche im Fernsehen überhaupt?«

Tatsächlich sind beide Fragen nicht einfach und nicht eindeutig zu beantworten, vor allem für diejenigen, die eben keine eingefleischten Fans der Sendung sind. Viele Sketche wiederholen sich in ihren Mechanismen, viele »Frühstyxradio«-Figuren reiten stets auf einer Masche herum. Insofern funktioniert die DVD-Box dann am besten, wenn man sie als Begleitmedium wie das Radio einsetzt, sie also nebenher laufen läßt oder nur wenige Sketche am Stück konsumiert – bei dauerhafter Betrachtung verliert das Gebotene leider schnell an Amüsement. Es verwundert von daher nicht, daß die klar strukturierten, auf durchgängige Unterhaltung angelegten Bühnenprogramme auf DVD drei am besten funktionieren.

Interessant ist die DVD-Box allerdings als Zeitdokument, denn immer wieder beschäftigen sich die verschiedenen Beiträge auch mit der Geschichte des linksliberalen »Frühstyxradios«. Immer wieder wird die zeitweise Absetzung durch einen konservativen Programmdirektor behandelt, die nach massiven Fanprotesten rückgängig gemacht wurde, und die Verantwortlichen lassen es sich auch nicht nehmen, als fiese Spitze versteckte Specials auf der DVD zu platzieren, die besonders kritische Berichterstattung zu der Zeit dokumentieren, die gegen die Entscheidung des Programmdirektors argumentierte. Bei der Sichtung der Beiträge vom und über das »Frühstyxradio« ist ebenfalls interessant, welche Schimpfwörter damals noch als derb erachtet wurden, oder daß man dem (ausgesprochen eindeutigen) Onkel-Hotte-Song »10 kleine Glatzenköpp« unterstellte, es sei mit viel Fantasie als Anti-Nazi-Lied zu erkennen.

Am Ende der rund 15 Stunden Material, die sich auf fünf DVDs verteilen, steht die Erkenntnis, daß man das Audio-Medium Radio nicht eins zu eins ins Fernsehen (und später auf DVD) übertragen kann – die gleiche Faszination wie das Radioprogramm wird die Box kaum erzeugen. Es bleibt ein liebevoll gemachtes Dankeschön für die Fans, für alle anderen ist es nur begrenzt witzig, vielleicht eher als Zeitdokument interessant. Aber immerhin erfährt man, daß Der Wixxer von und mit »Frühstyxradio«-Mitglied Oliver Kalkofe seinen Ursprung in ebenjener Sendung hat. 2008-12-31 15:18

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