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50 Jahre Atlas Film – DVD Edition

12 Uhr mittags (USA 1952), Alexander Newski (SU 1938), Das Schweigen (S 1963), Die Wüstensöhne (USA 1933), Der General (USA 1926), Kinder des Olymp (F 1945), Tatis Schützenfest (F 1949), Der blaue Engel (D 1930).
780 Min. Atlas Film ab 8.10.10

Sp: Deutsch (DD 1.0, DD 2.0), Französisch (DD 1.0, DD 2.0), Schwedisch (DD 1.0), Englisch (DD 1.0, DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1 anamorph. Ex: keine.

Die Älteren werden sich erinnern

Von Carsten Tritt Unter jüngeren Filmfreunden wird der Name Atlas Film nur wenigen ein Begriff sein. Die Älteren werden sich jedoch sicherlich an den 1960 gegründeten Filmverleih erinnern, der 1966 sein umfangreiches Verleihgeschäft schon wieder aus Geldmangel weitgehend einstellen mußte, aber auch danach noch präsent war – insbesondere als Schmalfilm-Verleih für Filmclubs, in den 80ern und 90ern als Videoanbieter, und mit der Hanns-Eckelkamp-Filmproduktion auch filmschaffend, beginnend 1962 mit Will Trempers Die endlose Nacht, später für Fassbinder und 1989 bei Dany Levys Durchbruch mit RobbyKallePaul. Atlas Film selbst spielt zwar als Filmverleih derzeit keine relevante Rolle mehr, ist aber weiterhin hinter den Kulissen insbesondere als Rechtehändler aktiv.

Die DVD-Box zu 50 Jahren Atlas-Film beinhaltet eine Auswahl des Programms der ersten goldenen Jahre des Verleihs, Anfang der 60er Jahre, beginnend mit Zwölf Uhr mittags, dessen Rechte der Unternehmensbegründer und münsteraner Kinobetreiber Hanns Eckelkamp erworben hatte. Atlas nahm damals zwar auch aktuelle Produktionen ins Programm – etwa Bergmanns Das Schweigen. Der Schwerpunkt lag allerdings auf Wiederaufführungen wie bei Der blaue Engel oder Kinder des Olymp oder Wiederentdeckungen, etwa von Filmen von Laurel und Hardy, Buster Keaton oder dem frühen Chaplin, die zuvor in die Kindervorstellungen abgeschoben worden waren. Eckelkamp und seine Atlas Film fielen dabei mit einem einheitlichen, modernen Werbedesign auf – sowohl in den Plakaten, als auch den Trailern, zudem teilweise sogar in neugestalteten Vorspännen (siehe hierzu auch Schnitt Nr. 55, S. 25 zum Vorspann von Arsen und Spitzenhäubchen). Zwar waren sie auch damals nicht die einzigen Distributeure von Filmkunst, stachen aber durch diese Präsenz besonders heraus und waren somit hauptverantwortlich dafür, daß in einer Zeit, als mangels Video und wegen geringerer Bedeutung des Fernsehens, Kinofilme entweder im Kino oder gar nicht zu sehen waren, die meisten von ihnen vertriebenen Filme in den Filmkanon des bundesdeutschen Bildungsbürgers Einzug hielten und noch heute darin verwurzelt sind.

Die Zusammenstellung für die Jubiläumsbox von Atlas Film beinhaltet acht würdige Beispiele dieses Wirkens. Die DVDs sind allesamt Neuauflagen bereits erschienener anderer Veröffentlichungen etwa bei Kinowelt, Universum u.a., allerdings verpackt in mit den Plakatmotiven von Atlas sowie kurzen Einführungstexten versehenen Digipacks. Obwohl die DVD-Programminhalte bereits von anderen Vertreibern unabhängig von dieser Zusammenstellung erstellt wurden, haben sich zumindest auf zwei der DVDs, nämlich Zwölf Uhr mittags und Der blaue Engel die alten Verleihtrailer von Atlas geschlichen, welche mit pochender Betonung auf die künstlerische Relevanz den Adressaten zum Kinobesuch auffordern, sich aber auch nicht zu schade sind, die jeweiligen Beiträge der zum Entstehungszeitpunkt der Filme noch wenig bekannten Nebendarsteller Lee van Cleef bzw. Hans Albers eindeutig überzubetonen. Die Filme sind zudem fast alle in guter Qualität präsentiert, mit folgenden Einschränkungen: Tatis Schützenfest wurde von Atlas Film 1964 in der teilkolorierten schwarzweißen Fassung verliehen, auf der DVD vorhanden ist stattdessen die 1995 nach Tatis Tod rekonstruierte Farbfassung, allerdings auch in ordentlicher Präsentation. Obwohl die Farbfassung ja angeblich die vom Regisseur »intendierte« Fassung sein soll, war die 1964er Version die letzte, die Tati selbst erstellt hat. Welche von beiden Fassungen zu bevorzugen ist, ist freilich ein Gelehrtenstreit, der hier nicht vertieft werden soll. Problematischer ist die DVD von Alexander Newski, die auf der Veröffentlichung von Icestorm beruht, und die somit leider nicht die von Atlas erstellte Synchronfassung beinhaltet, sondern nur eine äußerst lustlose und uninspirierte deutsche Bearbeitung durch die DEFA; leider läßt sich hier auch nicht in die Originalfassung flüchten, da Alexander Newski der einzige Film der Box ist, der ohne Originalton daherkommt. Alexander Newski ist in Deutschland auch anderweitig bisher nicht in besserer Form erschienen, so daß diese Fassung wohl hingenommen werden mußte, um den auch heute noch mitreißenden Eisenstein-Kriegfilm überhaupt im Rahmen der Box veröffentlichen zu können.

Die enthaltene Fassung zu Der General konnte leider nicht überprüft werden, da den an die Presse ausgelieferten Exemplaren leider eine falsche DVD beigefügt war. Dieser Fehler wurde allerdings nach Angaben des Vertriebs für die Verkaufsexemplare behoben. 2011-01-28 09:42

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