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5150 Elm's Way

5150, Rue des Ormes. CDN 2009. R: Éric Tessier. B: Patrick Senécal. K: François Dutil. S: Alain Baril. P: Cirrus Communications. D: Marc-André Grondin, Normand D'Amour, Sonia Vachon, Mylène St-Sauveur, Élodie Larivière, Catherine Bérubé, Normand Chouinard, Louise Bombardier u.a.
106 Min. I-ON New Media ab 24.9.10

Sp: Deutsch, Französisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1:2.35 anamorph. Ex: keine.

Schachsport & Serienmord

Von Till Boller Nachdem der französische Horrorfilm unter dem Label der »New French Extremity« in der letzten Dekade eine Vielzahl an Genrefilmen hervorgebracht hat, ist nun mit 5150 Elm's Way ein entfernter Verwandter aus dem frankophonen Kanada auf DVD erschienen. Trotz zahlreicher inhaltlicher Parallelen zu jüngeren französischen Horrorfilmen wie High Tension, Inside oder Martyrs hebt sich 5150 Elm's Way jedoch stilistisch deutlich von diesen ab.

Nach einem Fahrradunfall in einer beschaulichen Wohnsiedlung wendet sich der Student Yannick an den Taxifahrer Jaques, den er vor seiner Haustür antrifft, um ihn um Hilfe zu bitten. Dabei entdeckt Yannick in dessen Haus einen verletzten Mann. Ehe Yannick versteht, was vor sich geht, wird er selbst überwältigt und eingesperrt. Es stellt sich heraus, daß Jaques ein psychopathischer Serienmörder ist. Da dieser bei seinen Morden allerdings einem strengen Moralkodex folgt, bringt er Yannick nicht um, sondern sperrt ihn zunächst in seinem Haus ein. Jaques ist besessen vom Schachspiel und hat in seinem Leben noch keine Partie verloren. Auch seine Morde rechtfertigt Jaques mit der Logik des Schach. Nur wenn Yannick Jaques in einer Partie Schach besiegen kann, läßt dieser ihn laufen.

Obwohl er als harter Folterfilm verkauft wird, setzt 5150 Elm's Way nicht so sehr auf Splatter und Gore-Effekte, sondern konzentriert sich vor allem auf den psychischen Terror und die mentalen Auswirkungen von Yannicks Gefangenschaft. Das ist definitiv die richtige Entscheidung, denn die Inszenierung von Yannicks zunehmender Wahnsinnigkeit gehört zu den großen Stärken des Films. Sein Geisteszustand spiegelt sich in unterschiedlichen visuellen Darstellungsformen. Während er zunächst verängstigt, aber bei klarem Verstand ist, beginnt er zunehmend zu halluzinieren und den Sinn für die Realität zu verlieren. Dies kulminiert in den Schachpartien mit Jaques, die sich in einer Phantasiewelt aus Yannicks Psyche abspielen.

Lobenswert ist außerdem die schauspielerische Leistung und differenzierte Darstellung von Jaques Familie. Maude, Jacques Frau, ist von diesem eingeschüchtert und flüchtet sich in die Religiösität. Die ältere Tochter Michelle soll Jaques Nachfolgerin werden, handelt jedoch nicht nach seinem Kodex, sondern aus sadistischen Trieben heraus. Dazu kommt noch die stumme Tochter Anne, die in ein Heim abgeschoben werden soll. Die Spannungen und Meinungsverscheidenheiten zwischen den Familienmitgliedern nehmen beständig zu und auch innerhalb der Familie läßt sich die Vorspiegelung einer heilen Welt nicht lange aufrechterhalten.

Getragen wird der Film von den Charakteren, visuellen Einfällen und der Spannung des Handlungsverlaufs. Unbefriedigend bleiben dabei einige inhaltliche Aspekte der Geschichte. Vor allem die Erklärungen für Jacques Motivation, zum Serienmörder zu werden, und wie er dies vom Schachspiel ableitet, bleiben reichlich diffus. Das macht 5150 Elm's Way zu einem handwerklich soliden Psycho-Horror mit einigen reizvollen kinematographischen Einfällen, dem es im Plot leider an Substanz mangelt. Im Vergleich zu seinen zeitgenössischen französischen Verwandten konzentriert er sich angenehmerweise weniger auf reine physische Folter, sondern setzt sich vor allem mit der Psyche seiner Protagonisten auseinander.

Auf der in der Störkanal-Reihe erschienenen DVD selbst sind keine nennenswerten Extras vorhanden, das Booklet zum Film enthält allerdings ein nettes Essay über die kinematographische Geschichte des Schachspiels. 2011-01-26 09:35

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