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13 Assassins

Jûsan-nin no shikaku. J 2010. R: Takashi Miike. B: Kaneo Ikegami, Daisuke Tengan. K: Nobuyasu Kita. S: Kenji Yamashita. M: Kôji Endô. P: Toho Company, Yahoo Japan, Sedic International u.a. D: Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki, Masachika Ichimura u.a.
120 Min. Ascot Elite ab 10.5.11

Sp: Deutsch, Japanisch (DD 5.1), Deutsch (DTS 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: B-Roll, Interviews, Deleted Scenes, Trailer.

Kill them all

Von Daniel Bickermann Takashi Miike konnte in den letzten 20 Jahren ganze 84 Filme abdrehen. Erstaunlich ist dabei nicht nur, daß die meisten davon ganz ausgezeichnet sind, sondern auch, daß ihn selbst diese Vielfalt aus Kinder-, Krimi- und Horrorfilmen offenbar nicht auslastet und er deshalb im gleichen Film häufig das Genre wechselt, wodurch Arthouse- Horror-Romanzen entstehen, Computerspiel-Krimi-Splatter oder auch mal ein Heimatfilm-Zombie-Karaoke-Musical. Sein letzter Beitrag zum Samurai-Film war Izo, in dem ein Schwertkämpfer um 1850 gemetzelt und gekreuzigt wird, bevor er sich im heutigen Japan als immer noch wütende Killermaschine wiedergeboren findet.

Man darf also überrascht sein, daß Miikes neuester Samurai-Streich, erneut in den1850ern angesiedelt, relativ klassisch und stringent ausfällt. Große Teile dieses »Men on a mission«-Stoffs könnten von Kurosawa stammen: Die nachdenklichen Dialogsequenzen der ersten Hälfte erinnern an Ran oder Kagemusha, der halbstündige Showdown eher an Die Sieben Samurai: Eine Mischung aus herrenlosen Söldnern und treuen Dienern, aus ehrlosen Dieben und edlen Fürsten befestigen ein kleines Dorf gegen eine endlose Übermacht, um ehrenvoll im Regen zu sterben. Sogar einen wild gestikulierenden Möchtegern-Samurai gibt es, in Gedenken an Toshiro Mifunes großen Auftritt.

Doch der Regisseur ist viel zu eigenwillig, um reiner Epigone zu sein. Neben dem preisgekrönten japanischen Meistermimen Kôji Yakusho in der Heldenrolle darf Gorô Inagaki als typischer Miike-Bösewicht in genüßlichem Overacting allerlei kreative Foltermethoden ausprobieren. Und auch Miike selbst schüttelt zur Klimax noch ein paar herrlich absurde Gewaltfantasien aus dem Ärmel: Einige schöne Sprengstoff-Spielereien beispielsweise, oder eine Pamplona-Sequenz, nur zur Abwechslung mal mit brennenden Stieren.

Generell aber handhabt da ein Altmeister einen routinierten Plot mit leichter Hand und sardonischem Humor. Und der Mann, der im Weltkino ohne Vorgänger schien, nutzt einen seiner weniger irrsinnigen Filme, um seinen Vorbildern (Leone, Kurosawa) zu huldigen. Nach dem obligatorischen »Kill them all«-Befehl folgt das Samurai-Äquivalent des Peckinpahschen Kugelhagels – keine Heldenverkitschung à la 300, sondern Blut und Boden und stolperndes, schlammiges Sterben. Ganz große Unterhaltung für Kenner wie Anfänger. 2011-07-26 17:33

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #62.

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