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Logic Room – Der Tod ist unberechenbar

La habitación de Fermat. E 2007. R,B: Luis Piedrahita, Rodrigo Sopeña. K: Miguel Ángel Amoedo. S: Jorge Macaya. M: Federico Jusid. P: Notro Films, Bocaboca Producciones. D: Alejo Sauras, Ariadna Cabrol, San Yélamos, Alicia Fernández, Cesc Cornet, Juanma Falcón, Adam Nached, Lluís Homar u.a.
88 Min. Senator 18.3.11

Sp: Deutsch, Spanisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Making Of, Deleted Scenes.

Rätselspaß für Jedermann

Von Till Boller Im Zuge des Erfolgs der Cube- und Saw-Reihen sind in den letzten Jahren einige sogenannter ›People-in-a-room‹-Thriller entstanden, die das Thema einer eingeschlossenen und auf sich gestellten Menschengruppe mehr oder weniger innovativ variieren. Gemein ist den Filmen des Genres meist ihre Kernaussage – »homo homini lupus« und die Beleuchtung des Naturzustandes des Menschen. Mit Logic Room ist nun mit einiger Verspätung ein Genrevertreter der iberischen Halbinsel auch hierzulande als DVD-Veröffentlichung erschienen.

Die Handlung des Films ist schnell erzählt: Eine Gruppe von Mathegenies wird zu einem mysteriösen Treffen in einem abgelegenen Landhaus geladen. Dort angekommen stellen sie fest, daß sie in eine Falle gelockt wurden und sich nur befreien können, indem sie eine Reihe kniffliger Rätsel lösen. Gehen sie dabei nicht schnell genug zu Werke, rücken die Wände ihres Zimmers immer näher an sie heran. Langsam aber sicher wird ihr Gefängnis so zur klaustrophobischen Todesfalle. Unterdessen lichtet sich nach und nach der Schleier dieses perfiden Todesspiels.

So weit, so bekannt. Das Logic Room das Rad inhaltlich nicht neu erfinden würde, ist natürlich keine große Überraschung. ›People-in-a-room‹-Filme funktionieren seit längerem vor allem durch die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen, originelle Plot-Twists und visuelle Einfälle. Ästhetik und Bildgestaltung von Logic Room können sich durchaus sehen lassen und wurden fachmännisch inszeniert. Optisch muß der Film den Vergleich mit höher budgetierten Hollywoodproduktionen des Genres nicht scheuen. Entgegen der irreführenden Vermarktung kommt Logic Room dabei außerdem ohne überflüssige Splattereffekte und Horror-Ambitionen aus und bewegt sich zwischen Rätselkrimi und Thriller. Umsomehr fällt dadurch leider die unausgereifte Handlung ins Gewicht. Um die Grundidee der Logikrätsel herum aufgebaut, wirkt die übrige Story stets zu bemüht und wie konstruiertes Stückwerk.

Die Rätsel selbst schaffen es leider nicht, den Film alleine zu tragen. Logic Room gibt sich hier sehr viel intelligenter, als er wirklich ist. Dem Zuschauer wird zwar permanent suggeriert es mit geistreichen Kniffen und höherer Mathematik zu tun zu haben – Mittel zum Zweck ist die inflationäre Nennung der Namen berühmter Mathematiker und (handlungsirrelevanter) mathematischer Theorien. Letztendlich entpuppen die Rätselspiele sich aber als eine Reihe von Denksportaufgaben für Jedermann. Das lädt natürlich zum Mitraten ein und erhöht den Interaktivitätsfaktor beim gemeinsamen Videoabend, hat aber mit höherer Mathematik nun wirklich nichts mehr am Hut. Jedem, der schon einmal auf Klassenfahrt oder Jugendfreizeit war, sollte das ein oder andere Rätsel außerdem bereits bekannt vorkommen. Für Filmkenner könnten sich zusätzlich weitere Déjà-vu Erlebnisse einstellen.

Nach dem Prolog eilt der Film so hastig von Rätsel zu Rätsel, für Charakterentwicklung und ein anders gelagertes Vorantreiben der Handlung bleibt da kaum Zeit. Die Intention hinter der hohen Rätselfrequenz ist sicherlich, die Spannung durchgehend hoch zu halten. Nach ein paar Knobelrunden stellt sich aber vor allem ein Gefühl der Monotonie ein. Logic Room kümmert sich primär darum, seine Zuschauer zum Miträtseln zu Animieren. Die Resthandlung gerät so zur reinen Staffage. Der Filmgenuß ist dabei sicherlich vor allem davon abhängig, wie bekannt die präsentierten Logikrätsel dem Zuschauer schon sind. Am Ende bleibt das Gefühl, eher einer Quiz-Show als einem Krimi-Thriller beigewohnt zu haben. 2011-08-15 08:54

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