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Rampart

USA 2011. R,B: Oren Moverman. B: James Ellroy. K: Bobby Bukowski. S: Jay Rabinowitz. M: Dickon Hinchliffe. P: Lightstream Pictures, Waypoint Entertainment, Third Mind Pictures, Amalgam Features. D: Woody Harrelson, Jon Bernthal, Stella Schnabel, Jon Foster, Ben Foster, Ruben Garfias, Deadlee, Dominic Flores u.a.
104 Min. Ascot Elite ab 7.8.12

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Making of, Interviews, Deleted Scenes, Originaltrailer, Trailershow.

Purgartorium, Dysfunktional

Von Heiko Martens Rampart stiehlt seine stärksten Aspekte der griechischen Tragödie – trotz allem Anschein entfaltet sich eben kein Ein-Mann-sieht-Rot-Plot, kein Taxi Driver in Polizeiuniform. Obwohl der Vietnam-Veteran in den Film geschrieben ist und die Kamera dem Polizisten David Douglas Brown (Woody Harrelson) wie einst Travis Bickle in jeder Szene beiwohnt, die Welt durch seine Sicht und seine Reaktionen definiert, steht auch die psychologische Charakterstudie hinter den klassischen Mustern zurück.

Im vorgeführten Individuum kristallisiert sich eine Gesellschaft am moralischen Abgrund, dessen Grenzziehungen längst kein Diesseits noch ein Jenseits mehr kennen. Eigene Fehler haben den korrupten, gewalttätigen und rassistischen Polizisten Dave dorthin gebracht, wo er steht: trinkend, fluchend, beziehungsunfähig, eine kettenrauchende Niete als Vater und Ehemann.

Als eine Prügelaktion des Randständigen auf Kamera festgehalten wird und ihren Weg in die Medien findet, ändert sich für Dave im Prinzip gar nichts. Daß die Welt, der Dave entsprungen ist, mit ihrer Fehlgeburt konfrontiert wird, beeinflußt das hybride Selbstbild des Protagonisten zu wenig, um dessen selbstgewählte Zerstörung aufzuhalten. Die Psychologie der Figur ergibt sich zwingend – vor allem das Weibliche in Form von Exfrauen, Liebhaberin, Töchtern versagt sich dem Macho und Chauvinist. Zurück bleibt eine mögliche Katharsis, wenn auch vermutlich nicht für Dave selbst.

Ein Großteil des Teams um Regisseur Oren Moverman, der schon mit The Messenger einen eindrucksvollen Start in puncto dramatischer Aufbereitung pulsierenden Zeitgeistes hingelegt hat, versammelt sich für Rampart erneut. Mit der Drehbuchvorlage von James Ellroy begibt sich die Geschichte in die Schattenwelten Los Angeles’, die – dank Lens-Flare-Effekten der konsequenten Handkamera – zumindest am Tage verstörend lichtdurchflutet daherkommt. Wenn die Nacht hereinbricht, findet das innerliche Schwarz der Hauptfigur seine Form. Die Anmutung touchiert das Dokumentarische – verstärkt durch die (Improvisations-)Freiheiten, zu denen Moverman die Beteiligten am Set aufforderte. Zum Team gehört – bis in die Nebenrollen hinein – ein Ensemble an Schauspielern, dessen Wille zur Mitwirkung sich kaum durch »Screen Time« allein erklären läßt.

Das ambivalente Resultat ist ein mehrheitlich ruhiger Film, der selbst in seinen explosivsten Momenten wie gefiltert, zurückgeschaltet wirkt. Ambivalent vor allem auch deswegen, weil es ein zweischneidiges Schwert ist, das Luziferische empathisch zu gestalten – der rechtfertigende Metatext von der Allgegenwärtigkeit der dunklen Seite der Macht in uns allen wirkt schon recht gemeinplatzig. Von der Verlogenheit ähnelnder Selbstjustizarien ist Rampart jedoch zum Glück relativ weit entfernt. Man muß dem Film jedoch auch vorhalten, daß es nicht allzuweit gesprungen erscheint, im Kern das Scheitern einer Familie als Ursprung von Misanthropie und Nihilismus zu finden. Angesichts dessen, wo Daves literarische und filmische Vorgänger schon gewesen sind, ist Rampart ästhetisch sehr stimmig und emotional feinfühlig dargestellt, aber dennoch relativ unmutig. 2012-10-19 17:13
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