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Kommissar X – Jagd auf Unbekannt

D/I/YU 1966. R,B,M: Gianfranco Parolini. B: Theo Maria Werner, Gianni Simonelli. K: Francesco Izzarelli. S: Edmondo Lozzi. M: Mladen Gutesha. D: Tony Kendall, Brad Harris, Maria Perschy, Christa Linder, Nicola Popovic, Pino Mattei, Danielle Godet, Ljiljana Drulovic u.a.
88 Min. Anolis ab 5.10.12

Sp: Deutsch, Englich (DD 2.0 Mono). Ut: Deutsch. Bf: 2,35:1 anamorph. Ex: Dokumentation Die X-Männer schlagen zurück, Super8-Fassung, dt. Vorspann, Trailer, Werbematerial und Bildergalerie.

Bruch zur Vorlage

Von Carsten Tritt Der Heftromanheld Jo Walker entwickelte sich Anfang der 1960er Jahre zum Hauptkonkurrenten Jerry Cottons und erlebte kurz nach dem G-Man ebenso eine filmische Adaption. Während in den Cotton-Filmen ihre Herkunft aus dem Krimi eindeutig war, orientierte sich Kommissar X allerdings im Bruch zur Vorlage am Eurospy. Parolini, der auch am Drehbuch mitschrieb, nur um dessen Vorgaben während der Dreharbeiten weitgehend zu ignorieren, setzt sämtliche Gebote von Logik und Handlungskausalität weitgehend außer Kraft und fördert stattdessen eine unbeschwerte Bespielung seiner Kulissen – sei es im Umgang mit dem bunten Studiobauten, sei es an Originalschauplätzen, zu denen auch ein Maschinenraum gehört, der mindestens dreimal so groß ist wie die ihn angeblich beinhaltende Yacht. Selbst die kroatische Adriaküste erhebt Parolini zum zentralen Gestaltungselement, obwohl diese produzentenseits nur als kostengünstiger Drehortersatz für das amerikanische Atlantikufer vorgesehen war (bei zukünftigen Kommissar X-Abenteuern wurde die Handlung dann gleich zwecks Schauplatzoptimierung in Länder wie Ceylon oder Singapur verlegt). Der Italiener Kendall hingegen teilt sich mit Sean Connery zwar Frisur und Synchronsprecher, wandelt aber mit noch größerer Leichtigkeit als das britische Vorbild durch den Film und nutzt den Freiraum, den ihm der Regisseur läßt, mehr im Spiel mit der Damenwelt denn für die titelgebende Jagd. Hätte der Filmschurke nicht den Kardinalfehler begangen, seine Privatarmee aus knapp bekleideten jungen Frauen zu rekrutieren, er wäre wohl davongekommen. Wenn er den dicken roten Selbstzerstörungsknopf für seine Inselfestung drückt, ist das ein letzter, verzweifelter Schrei nach Walkers Aufmerksamkeit, um diesen zumindest hierdurch kurz bei der Balz zu unterbrechen. Deutlich bereichert wird der Cast durch Brad Harris als Walkers mürrischen Partner, dessen Fähigkeiten als Stuntman sich zuvor schon bei einigen Wolf-C.- Hartwig-Produktionen als Glücksfall für das deutsche Actionkino erwiesen hatten. Vor allem sein Talent zur Choreographie harter Faustkämpfe wird sich auch in den nächsten Filmen der Reihe bestätigen. Anolis plant, noch dieses Jahr die ersten sechs Kommissar X-Filme zu veröffentlichen, wobei sich vor allem die drei Beiträge Parolinis (neben Jagd auf Unbekannt noch In den Klauen des goldenen Drachen und Drei blaue Panther) als Genrehöhepunkte erweisen. 2012-11-15 16:07

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #68.
© 2012, Schnitt Online

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