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Die Morde von Snowtown

Snowtown. AUS 2011. R: Justin Kurzel. B: Shaun Grant. K: Adam Arkapaw. S: Veronika Jenet. M: Jed Kurzel. P: Screen Australia, The South Australian Film Corporation, Warp X Australia. D: Lucas Pittaway, Bob Adriaens, Louise Harris, Frank Cwiertniak, Matthew Howard, Marcus Howard, Anthony Groves, Richard Green u.a.
120 Min. Universum Film ab 21.9.12

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Audiokommentar mit Justin Jurzel, Deleted Scenes, Casting Footage, Trailer.

Gier nach Gewalt

Von Tim Lindemann Der Geschichte des berüchtigten australischen Serienkillers John Bunting folgend, entwirft Regisseur Justin Kurzel in seinem Debütfilm eine Atmosphäre schier ausweglosen Schreckens. Im Zentrum des Films steht Jamie, ein Teenager aus einer schwer zerrütteten Familie, der nach einem traumatischen Erlebnis dem charismatischen John zu folgen beginnt und von dessen sadistischen Selbstjustiz-Fantasien zusehends beeinflußt wird. Was mit vergleichsweise harmlosen Anfeindungen gegen Schwule und vermeintliche Pädophile beginnt, artet immer mehr in grausam kalkulierende Gewaltgier aus. Regisseur Kurzel wählt dabei, trotz oder gerade wegen des drastischen Inhalts um Folter, Mord und Vergewaltigung, eine größtenteils subtile Inszenierung, und so erinnert sein Film ein wenig an den ebenfalls australischen Crime-Thriller Animal Kingdom. Visuell entwickelt Kurzel einen interessanten Kontrast zwischen den dokumentarisch anmutenden Szenen in der verschworenen Community Snowtown und dem ausgebleichten, mit Farbfiltern konstruierten Look, der an moderne Musikvideos und Instagram-Fotos erinnert.

Stilistisch ist das äußerst wirkungsvoll, stringent und versiert, dennoch fragt man sich anhand der beinahe unerträglich trostlos-brutalen Stimmung, was Regisseur Kurzel mit seinem Film genau erreichen wollte. Das Serienkiller-Genre entschleunigen? Homophobie und populistische Hexenjagden anprangern? Das Portrait eines charismatischen Wahnsinnigen zeichnen? Vermutlich alles ein bißchen, aber nichts davon gelingt vollständig. Zu offensichtlich blickt Kurzel auf seine Figuren herab, distanziert sich mit ausnahmslos abstoßenden Bildern von den Protagonisten wie auch dem Setting, den verarmten Vororten von Adelaide. Wo Filme wie Winter's Bone ein schonungsloses, aber auch herzliches, ausgewogenes Bild ihres Mikrokosmos entwickeln, scheint in Snowtown außer der Landschaft alles und jeder häßlich und grausam zu sein. Johns Morde erscheinen wie der logische Schlußpunkt einer aggressiven Grundstimmung, Gegenentwürfe gibt es in Kurzels Film nicht. So droht der Film einerseits immer wieder in völligen Zynismus abzudriften, kreiert auf diese Weise aber auch eine kalte, rohe Stimmung, der man sich kaum entziehen kann 2012-12-06 16:20
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