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Cinderella

USA 1950. R: Wilfred Jackson, Clyde Geronimi, Hamilton Luske. B: William Peet, Erdman Penner, Winston Hibler, Ted Sears. S: Donald Halliday. M: Paul J. Smith, Oliver Wallace. P: Walt Disney Productions.
72 Min. Disney ab 27.9.12

Sp: Deutsch, Englisch (DTS HD 7.1), Schwedisch, Norwegisch (DD 5.1) u.a. Ut: Deutsch, Englisch, Türkisch, Dänisch u.a. Bf: 1.33:1 (HD 1080p). Ex: Die echte gute Fee, Ein neues Disney Princess Fantasyland, Der Zauber eines gläsernen Schuhs, Alternativer Filmanfang, Kurzfilm: Disney Rapunzel verföhnt, verlobt, verheiratet u.a.

Unendliche Transformationen

Von Jesko Jockenhövel Ende der 1940er Jahre war vom Glanz des Hauses Disney zunächst nicht mehr viel übrig. Gemeinsam mit der gesamtem Filmindustrie sah man unsicheren Zeichen entgegen. Das Paramount-Urteil hatte 1948 die Studios in ihren Grundfesten erschüttert, da die Trennung von Verleih und Kinos angeordnet wurde. Doch Disney hatte noch ein anderes Problem: den Zeitgeschmack zu treffen. War 1937 Schneewittchen und die sieben Zwerge, Disneys erster langer animierter Film, ein sensationeller Erfolg, der erst zwei Jahre später mit Vom Winde verweht übertroffen wurde, gelang in kommerzieller Hinsicht nicht mehr viel. 1942 startete mit Bambi der letzte lange Animationsfilm und auch er konnte wie seine Vorgänger Fantasia und Dumbo die hohen Produktionskosten kaum amortisieren. Während der 1940er Jahre hielt sich das Studio im Wesentlichen mit Lehrfilmen für die US-Army über Wasser. Dies sollte sich 1950 ändern.

Disney schwebte schon lange eine Umsetzung des Aschenputtel-Stoffes vor, hatte die Geschichte sogar 1922 unter dem Titel »Cinderella« als Kurzfilm produziert. Auf der gleichen Struktur wie Schneewittchen beruhend – ein Mädchen in Not – konnte der Film dann tatsächlich dessen Erfolg wiederholen. Für Disney bedeutete es die Rettung des Studios und vor allem die finanzielle Unabhängigkeit und Möglichkeit seine Geschäftsbereiche auszudehnen. In den 1950ern begann die Produktion fürs Fernsehen: die Disneylandshow und der Mickey Mouse Club waren schon bald Institutionen. Und dann war da ja noch Disneyland. Genau wie Cinderella sich von einer schönen, aber unauffälligen Magd in eine Prinzessin verwandelte, transformierte Disney das Studio zu einem Global Player der Medienlandschaft. Und dabei beginnt in der Animation alles nur mit einem einfache Strich, der, in leichter Variation, Bewegung wird und damit Leben: die ultimative Transformation.

Aufgrund des Kostendrucks, dem die Produktion von Cinderella unterlag, griff man zu einem Verfahren, das heute im Motion Capturing seinen Wiedergänger findet. Viele Szenen wurden mit Schauspielern vorgedreht und diese Aufnahmen als Vorlage genommen und einfach abgezeichnet. Leben wird angehalten, reproduziert und danach wieder animiert: eine zweifache Transformation. Cinderellas ständige Begleiter, eine Schar von Mäusen, wurden natürlich direkt gezeichnet. Der Stil der beiden Animationsweisen unterscheidet sich deutlich. Während die Mäuse der klassischen Animationsweise gehorchen, bei der vor allem Kreisformen Niedlichkeit und Rührung ausdrücken, strahlen die menschlichen Figuren dagegen wie Cinderella Eleganz oder Dämonisches wie ihre Stiefmutter aus.

Disney veröffentlicht Cinderella jetzt im Rahmen seiner Diamond Editions auf DVD und Blu-ray. Insbesondere die Bildqualität der Blu-ray ist brillant. Das Alter von jetzt über 60 Jahren ist dem Film nicht anzusehen. Die Blu-ray ist zudem vollgepackt mit Extras, von denen allerdings viele der interessantesten schon zuvor auf vorherigen DVD-Veröffentlichungen erschienen sind. Hervorzuheben sind davon vor allem die 1922er-Version von Cinderella und eine Dokumentation über Disneys sogenannte Nine Old Men, die wichtigsten Zeichner während der 1940er und 50er Jahre. Spannend ist von den neuen Extras insbesondere ein alternativer Anfang von Cinderella, der aus Entwurfszeichnungen zusammengesetzt wurde. Die übrigen neuen Extras sind im Wesentlichen Promotionfilme von verschiedenen Marketingaktivitäten. Dies ändert aber nichts daran, daß gerade aufgrund der wunderbaren, jetzt auch hochauflösenden Bildqualität der Film, der so entscheidend für die Geschichte der Disney Company war, eine mehr als würdige Veröffentlichung bekommt und im neuen Glanz erstrahlt. Die nächste Transformation, ins HD-Zeitalter auch zuhause, ist damit geglückt. 2012-12-11 16:31
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