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10. Internationales Videofestival Bochum 2000

Bochum, 24. - 27. Mai 2000
 

Vom ästhetischen Programm zum Speichermedium?

Von Thomas Waitz Das Bochumer Videofestival hat sich seit seinen Anfängen im Jahr 1990 zu einem anerkannten Forum für Videokunst entwickelt. Aus der Idee, Bochumer Studierenden der Film- und Fernsehwissenschaft ein Forum für deren medienpraktische Arbeiten bieten zu können, ist ein Festival erwachsen, das (neben dem »Bochumer Programm«, das es immer noch gibt) Beiträge internationaler Herkunft versammelt: So liefen Videofilme aus Singapur, Japan, den USA, Australien und vielen anderen Ländern. Geblieben ist der spröde, universitäre Rahmen der Veranstaltung, der leider zu einer Form der Ghettobildung führt, die das Medium und die gezeigten Programme nicht verdient haben.

Vier Tage lang, vom 24. bis 27. Mai, bot das Festival Gelegenheit, eine oftmals bemerkenswerte Bandbreite von Formen aktueller Videokunst zu sehen. Neben dem eigentlichen Wettbewerbsprogramm fand ein Workshop des Filmemachers Matthias Dinter statt, gab es Podiumsdiskussionen mit den Regisseuren und die Präsentation einer Auswahl neuerer CD-ROMs, die freilich Videothematik oftmals nur streiften. Am überzeugendsten schien hier noch »Permanent Flux«, eine Produktion der Niederländer Yariv Alterfin, Bastiaan Lips, Marjolijn Ruyg und Jaap Verdenius. Die retrospektiv angelegte Reise durch die Multimediakunst des 20. Jahrhunderts wird durch ein ungewohntes, dem Thema aber durchaus angemessenes Screendesign vermittelt, das mit einer Aufbereitung des Materials einhergeht, die sich bewußt gegen eine »enzyklopädische« und für eine spielerische und den Nutzer geschickt fordernde Form der Darbietung entschlossen hat.

Die im Wettbewerb vorgestellten Videoproduktionen fielen hingegen sehr disparat aus, sowohl was ihre formale Gestaltung, die konzeptionelle Herangehensweise als auch ihre mediale Qualität anging. Auffällig scheint, daß sehr viele Beiträge zwar auf Videomaterial gedreht wurden, aber in ihrer äußeren Erscheinung auf eine genuin-filmische Ästhetik setzten. Dies wird gerade an den sich einer narrativen Form verpflichtet fühlenden Videos deutlich, wie etwa im deutschen Beitrag »Der Tisch« von Stanislaw Mucha, der in knapp 10 Minuten die skurrile Geschichte eines Tisches und seiner Besitzer in Form eines Roadmovies erzählt. Die ausgefeilte Kameraarbeit, der bewußte Einsatz von Schärfe und die aufwendige Ausstattung der an der HFF Babelsberg entstandenen Arbeit kamen den Erzählgewohnheiten des Publikums zwar entgegen, mit Videokunst hatte das aber nichts zu tun.

Die experimentelleren, zumindest nichtnarrativen Formate hatten es hingegen schwerer. Es stellt sich mithin die Frage, ob »Video« tatsächlich noch ein eigenes ästhetisches Programm impliziert oder es sich dabei eben »nur« um ein Speichermedium unter vielen handelt. Die Jury antwortete eindeutig: Mit »A Comet on my Ceiling« des Genfer Künstlers René Aeberhard ging einer der Hauptpreise an einen ausgesprochen experimentellen Beitrag: Das Video folgt, von einem allegorisch nicht entschlüsselbaren Sounddesign unterlegt, nicht-gegenständlich und graphisch stark abstrahierend, der Flugbahn eines Kometen. 1970-01-01 01:00
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