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8. Diagonale 2005

Graz, 14. - 20. März 2005
»Breaking the Waves«, geschnitten von Anders Refn

Grazile Schnitte

Von Nikolaj Nikitin »Und? Haben sich Lars von Trier und Björk wirklich so schlecht vertragen und am Set nur gestritten?«, kam die obligatorische Frage zu Dancer in the Dark aus dem Publikum. Der Befragte lächelte und gab bereitwillig Antwort. »Wie ist eigentlich die herausragende Leistung von Emily Watson in Breaking the Waves zustandegekommen?« Auch hierauf weiß der gutgelaunte und aussagefreudige Däne eine amüsante und zufriedenstellende Antwort.

Wir befinden uns im Grazer Schubert Kino während der Diagonale im gefüllten Saal, und ausnahmsweise steht kein österreichischer Filmschaffender Rede und Antwort, sondern ein enger Mitarbeiter und langjähriger Weggefährte von Triers, und gibt interessante Antworten zu den Entstehungsgeschichten der oben genannten Filme. Zwar hat sich »Dogma 95« als Label erst kürzlich aufgelöst, Fragen an die Produktionsbedingungen bleiben aber nach wie vor beim Publikum akut, und es lechzt nach Antworten. Eine spannende Situation bei einem ohnehin sehr gelungenen Filmfestival, das wieder zur Norm und zu einer tollen Form zurückgefunden hat.

Doch leider gibt es ein kleines Problem beim beschriebenen Podium. Dieses hat rein gar nichts mit den Grazern oder dem Befragten zu tun und ist nur zu Teilen dem Publikum anzurechnen. Denn beim Befragten handelt es sich um den erfahrenen Editoren Anders Refn, der auf eine lange Vergangenheit in Dänemark als Editor zurückblicken kann. Mit von Trier verbindet ihn dabei besonders viel – er schnitt Breaking the Waves und war erster Regieassistent bei Dancer in the Dark und Dogville. Zudem hat er selber als Regisseur gearbeitet und auch in anderen Positionen des Filmbetriebs, was laut ihm in einem so kleinen Produktionsland wie Dänemark üblich ist, da dort alle alle kennen und sich gegenseitig unterstützen und immer wieder Freunde in verschiedenen Positionen zusammenarbeiten.

Also vielleicht doch durchaus legitim, ihm die Fragen zu stellen, die eher an den Regisseur zu richten wären (oder an den Kameramann, denn natürlich kam auch die obligatorische Nachfrage, nach dem Dogma-Handkamera-Stil). Aber eigentlich dann doch eher nicht, denn schließlich ist Refn Editor und redet während einer Veranstaltung, die »Filmhandwerk: Schnitt/Montage/Editing – Meine schöne Sorge« übertitelt war. Doch diese Situation ist sicherlich für ihn und viele Kollegen keine unbekannte, aber eine, die geändert werden muß. Es muß deutlicher gemacht werden – vor allem bei der breiten Öffentlichkeit, was die Arbeit des Editoren auszeichnet. Was seine genuine Arbeitsleistung ist, sein Bereich, wie er mit den anderen Departments zusammenarbeitet – ob und wie der Regisseur mit ihm Kontakt hat. Was seine Verantwortung bei der Filmproduktion ist.

Es ist sehr unterstütztenswert, daß solch ein wichtiges nationales Festival wie die Diagonale sich dazu entschlossen hat, in den nächsten Jahren jeweils einer Berufssparte der Filmproduktion Gehör zu verschaffen, und es war eine gute Entscheidung, mit dem Schnitt anzufangen. Die Zielsetzung des Festivals ist dabei »nicht nur ein produktionstechnisches Seminar, in dem man lernt, mit der Kamera umzugehen oder einen ›Schneidetisch‹ bzw. ein Schnittprogramm zu bedienen, sondern Vorträge und Workshops, in denen formale und ästhetische Konzepte formuliert und diskutiert sowie an praktischen Beispielen erläutert werden.«

Der Verlauf der Diskussion zeigte deutlich, wie wichtig es in der Zukunft ist, bei möglichst vielen Gelegenheiten und auf einer möglichst breiten Basis solche Gesprächsrunden zu veranstalten. Damit in Zukunft auch Fragen kommen wie: »Herr Refn, wie verlief eigentlich die Postproduktion von Breaking the Waves? – Wieviel Rohmaterial stand Ihnen zur Verfügung – Wie war die künstlerische Zusammenarbeit und die Kommunikation mit von Trier im Schneideraum…?« 1970-01-01 01:00
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