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17. Kurzfilmfestival Hamburg 2001

Hamburg, 24. - 30. September 2001

Klaus und Co.

Von Nikolaj Nikitin Eine weitere Reise unternimmt Gabelstaplerfahrer Klaus mit seinem treuen Gefährt – im Mai lief er noch im Wettbewerb in Cannes, einen Monat später beim Kurzfilmfestival in Hamburg. Beim rabiaten Ton des Films (Peter Jackson inszeniert »Der siebte Sinn«) überrascht die Teilnahme in Cannes, jedoch nicht in Hamburg. Das etablierte Highlight unter den zahlreichen deutschen Festivals widmet sich seit jeher dem »besonderen« (in diesem Zusammenhang skurrilen, ausgefallenen und eigenwilligen) Kurzfilm. Heuer fand das Festival an der Elbe vom 2.-9. Juni zum 17. Mal statt. Neben einem internationalen und einem deutschen Wettbewerb, dem traditionsreichen »No Budget« und dem »Flotten Dreier«, der unter dem Motto »Nachbarn« stand, lag der Länderfokus auf Spanien, und ein Sonderprogramm präsentierte »Facts und Fakes«.

Filme, die uns Spaß machen, zeigen Situationen, die wir entweder schon immer mal selber gern erleben würden oder bekannte Szenarien in einer wüsten Umsetzung. Klaus' erster Tag fängt an wie ein Schulungsfilm für Weiterbildungsmaßen vom Arbeitsamt (grandiose Auswahl einer überaus prätentiös-pädagogischen Stimme) und entwickelt sich langsam aber zielsicher zu einem makabren Massaker, das selbst beim erneuten Wiedersehen Lustgefühle weckt. Gekonnt wird sowohl mit den Stilmitteln des Kulturfilms, als auch des Splatters gespielt. Überzeugend und mit viel Humor spritzen literweise Blut und Gedärme. Die Nüchternheit bei der Inszenierung sorgt dabei für wohlige Schockeffekte.

Angenehm zeigt dieses Werk, daß auch abstruse Themen eine Chance auf internationale Anerkennung haben, sie müssen jedoch, und daran kranken nach wie vor viele deutsche (Kurz-)Filme, sauber inszeniert sein und über eine durchdachte Dramaturgie verfügen, charismatische Darsteller schaden ebenfalls nicht. Der Rhythmus des Films mit seinen neun Minuten hält nicht auf, läßt dem Zuschauer aber auch kaum Zeit zum Atmen. Den Filmemachern ist ein umfangreiches Wissen um das Funktionieren filmischer Gestaltungsmittel anzumerken, und er verfügt über einen reichhaltigen Fundus an zitierten Vorbildern. Die Tatsache, daß ein Hamburg-symptomatisches Werk, ein Edel-Trash-Unterhaltungsfilm, den großen Sprung nach Cannes schafft, der dem deutschen Langfilm seit Jahren nicht gelingen will, sollte so manch »ernsthaften« Regisseur zum Nachdenken anregen.

Staplerfahrer Klaus - Der erste Arbeitstag
D 2001. R,B,: Jörg Wagner, Stefan Prehn. K: Matthias Lehmann, Christoph Chassée. S: Andrea Stabenow. P: Trigon. D: Konstantin Graudus, Douglas Welbat, Jürgen Koßel, Dieter Dost. 9 Min.

Der Film wird über die Kurzfilmagentur Hamburg verliehen; eine Kaufkassette ist ebenfalls dort erhältlich. 1970-01-01 01:00
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