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40. Film Festival Karlovy Vary

Karlovy Vary, Tschechien, 30. Juni - 9. Juli 2005
»Fremde Haut« von Angelina Maccarone

Gelungener Geschlechtertausch

Von Nikolaj Nikitin Erneut hat sich das Filmfestival in Karlovy Vary als wichtigstes in Osteuropa erwiesen und feierte zudem seinen 40. Geburtstag. Besonders den deutschen Branchenbesucher freute es, daß diesmal ein starker Film aus Deutschland im Wettbewerb vertreten war: Fremde Haut von Angelina Maccarone, der bei uns im Oktober in die Kinos kommt. Zusammen mit Deutschlands Ausnahme-Kamerafrau Judith Kaufmann schrieb Maccarone das Drehbuch über die 30jährige iranische Übersetzerin Fariba, deren politischer Asylantrag in Frankfurt zu scheitern droht. Kurzerhand entschlossen, nimmt die Frau nach dem Tod des labilen Siamak, dessen – männliche – Identität an und schafft es dadurch, in Deutschland zu bleiben. In der Yentl-Rolle fühlt sie sich einerseits sehr unwohl, kommt aber dadurch einer angehimmelten Kollegin sehr nahe, denn Fariba mußte in Wirklichkeit wegen ihrer Homosexualität aus dem Iran fliehen, wo ihr die Todesstrafe drohte. Fremde Haut ist vorzüglich fotographiert, geschnitten und gespielt und funktioniert als Grundidee. Während wir hier Jasmin Tabatabai beim überzeugenden Rollentausch auf der Leinwand beobachten, landet Krzysztof Krauze in dem polnischen Preisträger-Film »Moj Nikifor« einen anderen Besetzungscoup: Die 80jährige Krystya Feldmann spielt den Maler Nikifor.

Weitere interessante Wettbewerbsbeiträge aus dem Osten waren« Slunecni Starr« von Martin Sulik, ein Sozialdrama im Stile eines Ken Loach, und »Voditel dlja Very« vom Oscar-nominierten Pavel Cukhraj. Als Gewinnerfilm überzeugte die israelische Produktion »What a Wonderful Place« des Regisseurs Eyal Halfon.

Neben Tributes an Liv Ullmann, Robert Redford, den einheimischen Regisseur Jiri Krejcik und den japanischen Animationsregisseur Kinachiro Kawamoto bot das Festival ein besonders cineastisches Schmankerl mit der restaurierten Fassung von »The Big Red One«, einem der besten Kriegsfilme von Haudegen und Legende Samuel Fuller mit dem famosen Lee Marvin. Aus der gekürzten Fassung von 113 Minuten entstand dank der Arbeit des Filmkritikers Richard Schickel, den Notizen des Regisseurs und dem kompletten Drehbuch die rekonstruierte Fassung von 159 Minuten. Karlovy Vary – wir sind gespannt auf den
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