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14. Mannheimer Symposium

Mannheim
1. bis 3. Oktober 1999

Filmfestival Münster 1999

Münster
20. bis 24. Oktober 1999

Holland im Lot - Filmfestival Münster 1999

Von Norbert M. Schmitz Vom 20. bis zum 24. Oktober 1999 konkurrierten 65 Kurzfilme im Wettbewerb um den Preis der Filmwerkstatt Münster. Daneben legte das Filmfestival in Münster einen Schwerpunkt wieder auf Produktionen aus den Niederlanden und Belgien.

Die Jury konnte sich nicht auf einen Sieger einigen und teilte den Preis unter drei Filmen auf, womit sie zumindest zweimal richtig daneben lag: »Zwischen vier und sechs« von Corinna Schnitt ist nicht “minimalistisch”, sondern dürftig und albern. »Laß mich schlafen!« von Thomas Brückler ist mäßig witzig animiert und ebenfalls dürftig. Einzig Sven Taddickens »El Cordobes« kommt zwar etwas geschwätzig daher, erzählt aber in fernseh-bunten Bildern ein hübsches Märchen von Träumen und Hochhäusern.

Die holländischen Kurzbeiträge zeigten, wie man’s macht: »Peter’s Girlfriend« ist eine aufblasbare Gummipuppe, mit der Peter zum ersten Mal Liebe machen will, wobei er jedoch nacheinander von Mutter und Vater gestört wird, die entweder sein Zimmer aufräumen oder ihren Sohn aufklären wollen. Bart Timmer zeigt in sechs Minuten alles über die Nöte der Pubertät – aus dem Blickwinkel der Gummipuppe! Boele Weemhoff erzählt mit Blanche und Marie Becketts “Endspiel” als Geschichte zweier Schwestern in Südholland, ein Kammerspiel der verstohlenen Blicke und menschlichen Abgründe. Das Konzept der Konzentration auf niederländisches Kino ging auf und übertrug sich auf die Atmosphäre des Festivals, wo es, trotz eines reichlich gefüllten Programms, lässig und entspannt zuging.

Zum Schluß ein Blick nach Belgien, das sich ebenfalls mit einigen Filmen präsentierte, darunter »Max et Bobo«, der erste Langfilm von Frédéric Fonteyne. Eine schöne Außenseitergeschichte um Freundschaft und Verrat, die es mit den britischen Sozialkomödien aufnehmen kann, aber leider nicht mit dem deutschen Verleih: Bis auf weiteres wird »Max et Bobo« wohl nicht in deutschen Kinos zu sehen sein.

Thomas Warnecke

 

Fotographie und Film:
14. Mannheimer Symposium (1.-3.10.1999)


Auch dieses Jahr hatte das mittlerweile zur guten Tradition gewordene Mannheimer Symposium des Cinéma Quadrat erneut einen fotographischen Schwerpunkt. Die Themen der letzten Jahre von der Kameraarbeit über den kinematographischen Blick Edward Hoppers bis hin zu Zitation und Fälschung umkreisen bei aller Heterogenität immer wieder die Frage nach den realistischen Elementen des Kinos.

Diese Ausrichtung spiegelt wohl einen guten Spürsinn für den Paradigmenwechsel der jüngsten Mediendebatten. Der realistische Input der Filmfotographie, lange Zeit unter der Dominanz der Texttheorie und später des Poststrukturalismus als veraltete Mimesis ad acta gelegt, erregt erneut das Interesse in einer von bislang unbekannten Simulationsmöglichkeiten faszinierten Bildkultur.

Das Paradigma der von digitalen Simulationstechniken gekennzeichneten Gegenwart scheint hingegen erneut die Mimesis. Dabei geht es natürlich nicht um einen naiven Neoverismus, sondern um die Ahnung, daß eben jene abbildlichen Elemente, die Bildlichkeit des filmischen Mediums noch lange nicht erschöpfend verstanden sind. Die Traditionen eines zu einseitigen literaturwissenschaftlichen Zugangs stehen zur Disposition. Die Suche nach den fotographischen Momenten des Films ist damit auch immer die nach den Voraussetzungen der visuellen Kultur der Gegenwart. Neben die filmische Grammatik tritt nun die Ikonologie des Films als neue Perspektive das Wesen dieses komplexen Mediums. Jede Generation wird sich dieser Aufgabe stellen müssen und wohl immer auch an ihr scheitern. 1970-01-01 01:00
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