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47. Kurzfilmtage Oberhausen 2001

Oberhausen, 3. - 8. Mai 2001

Trivialfilme

Von Oliver Baumgarten Innerhalb ihres von Jahr zu Jahr praller werdenden Programms hoben die 47. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen an einem Abend einen lang vergessenen filmhistorischen Schatz und präsentierten neue Kopien von vier Kurzfilmen Robert Van Ackerens.

Der Neue Deutsche Film hat sich in den letzten Jahren zur nostalgischen Legende entwickelt, zu einem Totschlagargument gegen fehlende Emanzipation des heimischen Films von seiner aus dem UFA-Einerlei verschuldeten Angsthasenmentalität. Nicht weniger als die in radikaler Form betriebene Befreiung des deutschen Films von seiner ideologischen Nachkriegsbürde wiegt allerdings das Verdienst jener jungen Regisseure, die nicht zwingend mit Opas Kino gebrochen, sondern es weiterentwickelt, es modernisiert haben. Technische Perfektion, das Streben nach Genremustern, die Pflege kinematographischer Künste und schließlich die Bekenntnis zum Apparat beherrschen die Arbeit von Roland Klick etwa oder eben von Robert Van Ackeren, der übrigens drei von Klicks Filmen fotographierte und dessen wiederentdeckte Kurzfilme wichtige Motive seines Œuvres spielerisch aufgreifen.

In Wham zeigt sich Van Ackerens Beziehung zum Genre am deutlichsten. Mit Stilmitteln des Comic Strips, einer in die Irre führenden Tonspur und einem Off-Erzähler überschreibt er die offene Bildstruktur mit einer höchst ironischen Entführungsgeschichte. Die betonte Unnatürlichkeit der Darsteller, die sich zudem gegenseitig verdecken oder der Kamera mit Vorliebe den Rücken zeigen, unterstreicht das Spielerische im Umgang mit Konventionen. Der Beginn von Für immer und ewig verrät eine ähnliche Beziehung zum Genre. Nasser Asphalt, eine Autotür öffnet sich, Schuhe betreten das Pflaster, ein Mann im grauen Flanell mit Hut, ein dunkler, geschwungener Mercedes. Gangsterfilmassoziationen als Eröffnung für Szenen einer Ehe.

Als Van Ackeren seine Werke 1968 als Trivialfilme bezeichnete, postulierte er damit die Eigendiagnose, sein Filmbild frei von Symbolik zu halten, Bilder zu schaffen, hinter denen »sonst nichts« läge. Ein frommer Wunsch freilich, der bereits in den vier frühen Kurzfilmen einer sublimen Autoren-Kommentierung wich: Durch alle Produktionen zieht sich ein äußerst feinsinniger Humor, auf Die flambierte Frau oder Die Reinheit des Herzens bezogen ließe es sich vielleicht treffender Zynismus oder Spott nennen, der sich oft nur sehr hintergründig offenbahrt – beispielsweise in der Darstellung von Unentschlossenheit als Lebensprinzip in Ja und nein oder in der märchenhaften Farbigkeit rund um das Haus der enttäuschten Töchter in Küß mich, Fremder. Letzterer dürfte am ehesten dem landläufigen Bild entsprechen, das vom Werk Van Ackerens vorherrscht. Sexualität als Reizstoff in Beziehungen thematisiert der Regisseur immer wieder, wobei es ihm wie kaum einem deutschen Filmemacher gelingt, sich durch eine strenge Form von spekulativer Zurschaustellung zu distanzieren.

Auch in den Kurzfilmen stellt Van Ackeren mit Vorliebe Frauen in den Mittelpunkt der Geschichte, und oft sind es Frauen, die selbige vorantreiben. Wo er gerne leben wollte, wurde Robert Van Ackeren einmal im FAZ-Fragebogen gefragt. »In der Handtasche einer großen starken Frau«, lautete seine Antwort. Präziser kann das Utopia seiner außergewöhnlichen Autorenposition wohl nicht formuliert werden.

Wham. BRD 1965.
R,B,K: Robert Van Ackeren. 15 Min. s/w

Ja und nein. BRD 1968.
R,B: Robert Van Ackeren. 25 Min. s/w

Für immer und ewig. BRD 1969.
R,B: Robert Van Ackeren. 15 Min. s/w

Küß mich, Fremder. BRD 1972.
R,B,K: Robert Van Ackeren. 15 Min.

Die Rolle wird über die Kurzfilmtage verliehen. 1970-01-01 01:00
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