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1. Spirit of Fire International Film Debut Festival Khanty-Mansiisk 2003

Khanty-Mansiisk, Rußland
26. Januar bis 2. Februar 2003

13. Filmfestival Tromsø 2003

Tromsø, Norwegen
14. bis 19. Januar 2003

Colder than Paradise

Von Nikolaj Nikitin Ein eindeutiges Zeichen für den Erfolg und die Akzeptanz eines Filmfestivals sind die Besucherzahlen. Denn diese drücken den Zuspruch und die Zufriedenheit dessen aus, für den all die Arbeit hinter einem Festival gemacht wird: des Cineasten, des Filmliebhabers oder des Otto Normalverbrauchers, der sich zwei Stunden Kinozeit gönnen will.

Natürlich haben die Berlinale oder Cannes Besucherzahlen in den Zigtausenden – sie werden in den jeweiligen Städten als großes Event wahrgenommen. Aber keines der großen Festivals kann dem Verhältnis Einwohner-Festivalbesucher Tromsøs trotzen – des nördlichsten Festivals in Norwegen und im Grunde der ganzen Welt, da es jenseits des Polarkreises liegt. Bei einer Gesamtbevölkerung von 60.000 wurden für das Festival in diesem Jahr etwa 40.000 Eintrittskarten verkauft. Die ganze Stadt kann es kaum erwarten, bis das Festival beginnt, auf dem Perlen, Entdeckungen und Highlights der internationalen Filmszene präsentiert werden. Der Wettbewerb setzt sich aus 18 Filmen unterschiedlichster Couleur von allen Seiten des Erdballs zusammen.

Deutschland war mit einem der künstlerischen Höhepunkte des letzten Jahres vertreten: Scherbentanz, aus Ungarn kam der einfallsreiche Hukkle, aus Mexiko Japón und aus Rußland gleich zwei Filme (»Lubovnik« und »Kukuschka«). Der Hauptpreis ging völlig zu recht an die Produktion »Karishtay Kifti Rost« (»Angel on the Right«) aus Tadschikistan. Der Regisseur Jamsched Usmonov erzählt die Geschichte des Kriminellen Hamro, der nach einem Knastaufenthalt in Moskau in seine Heimat nach Tadschikistan zurückkehrt, um seine sterbende Mutter zu sehen. Doch diese simuliert und bringt den Sohnemann dadurch dazu, das Haus auf Vordermann zu bringen (in der Hoffnung, es nach ihrem Tod zu verkaufen). Zudem wird er plötzlich mit der angeblichen Vaterschaft eines kleinen Jungen konfrontiert, doch zum Glück ist da noch die schöne Krankenschwester, die sich um die Mutter kümmert. Usmanov, der bei uns mit »Der Flug der Biene« bekannt wurde, inszeniert leichtfüßig, voller Ironie und unterstützt durch eine hervorragende Kameraarbeit die Geschichte eines Mannes, der anscheinend zum Scheitern verurteilt ist, aber durch sein Umfeld in eine andere Richtung gedrängt wird. Der Preis der FIPRESCI ging an den norwegischen Eröffnungsfilm »Salmer fra kjøkkenet« von Bent Hamer, eine Burleske über nationale Eigenarten, deren schwedischer Protagonist eine Studie zum Kochverhalten norwegischer Single-Männer durchführen soll.

Wenn Tromsø als das nördlichste Festival gilt, so wird sich das neu gegründete Festival in Khanty-Mansiisk in der Zukunft wahrscheinlich den Ruf erwerben, das kälteste der Welt zu sein, denn es liegt in Sibirien. Festivalleiter Sergej Solovjov, Filmemacher und einst verantwortlich für das Moskauer IFF, suchte sich für das Wettbewerbsprogramm des ersten Jahres nicht nur die richtige Richtung aus, indem er ausschließlich Debüts einschloß. Er profitierte auch von seiner Erfahrung als Filmemacher und Festivalleiter, indem er eine außerordentlich straffe Dramaturgie in den gesamten Festivalverlauf, vor allem aber in die offiziellen Teile brachte, jedoch auch Glanz und Glamour nach Sibirien lockte und um sich ein professionelles Team scharte. So kamen Ende Januar europäische Stars und junge Regisseure aus der ganzen Welt, um das Festival, aber auch die nicht zu beschreibende Schönheit der sibirischen Landschaft zu erleben. Dabei war allerdings das Erstaunlichste, daß die Temperatur in der Taiga während des Festivals kaum unter -15 Grad fiel. Kaum aber war das Festival vorbei, fiel das Thermometer bis auf -40 Grad. 1970-01-01 01:00
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