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17. Französische Filmtage Tübingen Stuttgart 2000

Tübingen / Stuttgart, 27. Oktober - 4. November 2000

Tübingen öffnete sich der frankophonen Welt

Von Heimo Bachstein Die »Französischen Filmtage Tübingen-Stuttgart« gingen kürzlich erfolgreich zu Ende. Obwohl die Präsenz des französischen Films in den letzten Jahren auf deutschen Kinoleinwänden immer mehr zurückging und zumeist von US-amerikanischen Produktionen abgelöst wurde, nahmen die Besucherzahlen der »französischen Filmtage« in Tübingen immer mehr zu.

Damit die französische Filmlandschaft auch in Deutschland eine Wiederentdeckung erfahren kann, wurde auch in diesem Jahr neben zwei Regiepreisen ein Verleihförderpreis vergeben. Mehr als 19.000 Besucher sahen an neun Festivaltagen in über 200 Vorstellungen 112 Filme, was für ein solch spezielles Festival, wie es Tübingen bietet, sehr beachtlich ist.

Da in diesem Jahr Indochina Schwerpunktthema war, stellten zwei international bekannte Regisseure ihre neuesten Produktionen vor: Tran Anh Hung (Vietnam) mit A la verticale de l' été' in deutscher Erstaufführung. Hier versuchen drei Schwestern aus Hanoi ein delikates Geheimnis voreinander zu verheimlichen.Tran Anh Hung wurde bei uns mit Der Duft der grünen Papayas und Cyclo bekannt. Der Regisseur war von der Stadt Hanoi so eingenommen, daß es für ihn der einzig mögliche Ort sei, wo Beziehungen zwischen Männern und Frauen »eine wahre Nonchalance genießen können«. Sein kambodschanischer Kollege Rithy Panh (Das Reisfeld) fand erstmals Gelegenheit, sich mit seinem Kollegen auszutauschen, was zu einer spannenden Podiumsdiskussion führte.

In Ein Abend nach dem Krieg kommt Savannah im August 1992 von der Front im Norden zurück, wo er vier Jahre gegen die roten Khmer gekämpt hat. Dort trifft er Menschen an, die als Opfer des langen Krieges ohne Hoffnung für die Zukunft sind. Panhs Dokumentarfilm la terre des ames errantes über die Arbeit von Kabellegern im noch von Minen übersäten kambodschanischen Hinterland ist von starker dokumentarischer Kraft.

Der Schauspieler und Regisseur Jean-Marc Barr, bei uns durch Im Rausch der Tiefe bekannt geworden, avancierte rasch zum Publikumsliebling der Filmtage. Sein Film Too much flesh, den er in den USA drehte und bei dem Barr neben der Regie auch die Hauptrolle übernahm, erhielt den Publikumspreis, die »fliegende Kamera«. Der Preis ist mit 10.000 DM dotiert. Barr und sein Co-Autor Pascal Arnold wollten mit diesem Film die sexuelle Lust »im Portrait eines unerfahrenen Mannes zeigen, der Sexualität als das schlichte Teilen von Lust kennenlernt«.

Zum zweiten Mal seit 1995 war der Altmeister des afrikanischen Kinos, Ousmane Sembène (Xala und Ceddo) zu Gast in Tübingen. Faat-Kine, seinen neuesten Film, stellte er in Tübingen als europäische Erstaufführung vor. Es ist die Geschichte des harten Aufstiegs einer Frau, die von den Vätern ihrer Kinder verraten und betrogen wurde. Faat-Kine ist der zweite Film einer Trilogie mit dem Titel »Héroisme au quotidien«.

Der mit 40.000 DM dotierte Verleihförderpreis wurde von einer Fachjury an den Film En vacances von Yves Hanchar vergeben. 1990 lernen sich drei Familien am Strand kennen und beschließen, sich jedes Jahr wiederzutreffen. Es stellt sich hier die Frage, kann man sich über zehn Jahre hinweg verändern, wachsen und sich immer noch lieben? Eine Jugendjury, die sich aus SchülerInnen der Region zusammensetzte, verlieh ihren Preis an die tunesisch-französische Produktion La saison des hommes von MoufidaTlatli. Die tunesische Filmemacherin realisierte hier ein Generationen umspannendes, visuell bestechendes Familiendrama um die prekäre Situation der Frauen in der arabischen Welt.

Eine komplette Retrospektive galt dem 1990 verstorbenen Regisseur Jaques Demy, dem Ehemann von Agnes Varda. Unter dem Motto »Kunst, die laufen lernt« galt eine weitere Werkschau dem »Bilderstürmer« André S. Labarthe. Die »französischen Filmtage Tübingen-Stuttgart 2000« waren die bisher erfolgreichsten. Organisatorisch wie vielfältig in der Programmauswahl und der vorgestellten Regisseure und Länder war das Festival in Tübingen von hohem internationalem Rang. Im Jahr 2001 möchte man in den Oktober vorrücken und aus organisatorischen Gründen die bisher im Sommer stattfindenden »Filmtage des Mittelmeeres« in die »Französischen Filmtage« integrieren. 1970-01-01 01:00
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