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20. Tokyo International Film Festival

Tokio
20.10.-28.10.07
Leroy von Armin Völckers

Deutscher Erfolg in Tokio

Von Martin Dorst Der seit Ende September in den deutschen Kinos laufende Film Leroy begeisterte auch die japanischen Filmfans. Durch den Publikumspreis beim 20. Tokyo International Film Festival (TIFF) ist ein weiterer Grundstein für eine Erfolgsgeschichte des deutschen Films in Japan gelegt.

Der Rote Teppich lag schon am 18. Oktober für den Empfang von Matt Damon zur Premieren-Feier seines neuesten Films Das Bourne Ultimatum aus. Die wartende Menge empfing ihn begeistert und lauthals. Nachdem die Fans geduldig warteten, bis die Interviews vorbei waren, nahm sich der Hollywood-Star besonders viel Zeit, Autogramme zu geben. Er war glücklich, so empfangen zu werden, und freute sich über die Veröffentlichung seines Films in Japan. Dieser wird dort ab dem 10. November in den Kinos zu sehen sein. Zwei Tage später wurde der Rote Teppich wiederholt von Hand und mit Staubsauger von jedem kleinsten Fussel befreit. Um 16.30 Uhr betraten die ersten Gäste des 20. TIFF den Roten Teppich. Den Anfang von den 317 Gästen machte die in Japan berühmte Schauspielerin Masami Nagasawa. Verglichen mit dem Auftritt von Matt Damon war die Begeisterung insgesamt jedoch schwach. Erst nachdem die Stars 200m roten Stoffs hinter sich gelassen hatten, wurden sie offiziell begrüßt. Weil das Englisch der Sprecherin nicht so gut war, wußten viele Stars nicht, wie sie sich vor der Presse verhalten sollten. Zum Beispiel nach der Vorstellung von Oliver Stoltz, dem Produzenten von Leroy, fiel es ihr trotz jahrelanger Erfahrung schwer, ihm die richtigen Anweisungen für das Verhalten vor der Presse zu geben. Jedoch war, entgegen der üblichen Erwartungen, das Englisch der TIFF-Angestellten überdurchschnittlich gut.

Das Festival verlief in einer guten und relaxten Atmosphäre. Zu verdanken war dies der guten Organisation (für die Gäste) und dem Wetter. Fast 69.000 Zuschauer und Gäste haben das Festival besucht. Teilnehmer und Publikum hatten Gelegenheit, sich in einem TIFF-Café nach den 329 Filmvorführungen zu treffen. Es wurden auch Pressekonferenzen im Café abgehalten, was die ganze Veranstaltung persönlicher machte. Dabei waren der beliebte deutsche Film Leroy von Armin Völckers, der sehr emotionale Film Stone Angel aus Kanada und der englische Film Dangerous Parking mit Regisseur und Hauptdarsteller Peter Howitt, dessen Film auf dem Festival seine Weltpremiere hatte. Natürlich hatten alle die Hoffnung auf einen Preis für ihren Film. Doch für Armin Völckers, dem Regisseur von Leroy, stand die Erfahrung und der Meinungsaustausch mit anderen Filmemachern im Vordergrund: »Es ist schon eine unglaubliche Ehre, hier dabei sein zu können. Es sind Leute hier, die zum Teil schon dreißig Jahre lang Filme machen. Da habe ich als Neuling mit meinem Debütfilm keine Chance.« Als Armin Völckers während der Premiere das Lachen hörte, war er erleichtert über die Resonanz des japanischen Publikums.

Das Festival wurde von mehr als 20 parallelen Veranstaltungen begleitet. Neben dem obligatorischen Filmmarkt TIFFCOM gab es verschiedene Seminare, das Tokyo Internet Movie Festival 2007, die Nippon Cinema Classics, die Korean Cinema Week 2007, den Japan Location Market oder den Canada-Japan Short Animation Exchange (Cjax). Dadurch war es schwer, den Überblick zu behalten. Informationen an einer zentralen Stelle waren nicht zu finden. Den Überblick mußte jedoch die diesjährige Jury behalten. Diese wurde von Alan Ladd Jr. angeführt, dem Produzenten von Filmen wie Star Wars, Rocky Horror Picture Show und Alien. Im Team befanden sich auch noch Serge Losique, Nicola Piovani, Wu Nien-jen, Kyoko Kagawa und Yasuo Furuhata. Der Kandidat für den 2004 gegründeten Akira Kurusawa Preis stand jedoch schon fest. Er ging an Lord David Puttnam of Queensgate CBE. Er wurde für seine Tätigkeit als unabhängiger Filmproduzent geehrt. Als er in den 1950er und 1960er Jahren aufwuchs, war Kurosawa ein Vorbild für ihn. Daher sei es ihm eine besondere Ehre, diesen Preis zu erhalten.

Am Sonntag ging das Festival zu Ende, und es wurden die Gewinner auf der Abschlußzeremonie geehrt. Der Tokyo Sakura Grand Prix ging dieses Jahr an den israelischen Film The Band’s Visit. Als bester Regisseur wurde Peter Howitt mit seinem Film Dangerous Parking geehrt. Den Publikumspreis erhielt der deutsche Film Leroy. Armin Völckers war sehr erfreut über den Preis und betonte, wie wichtig der Film für ihn ist: »Racial discrimination is not right, but I hoped to create an opportunity to unleash the guilt conscious by presenting this issue with humor. Perhaps films do not have the force to change people’s way of thinking, but if this film triggers people to think and discuss discrimination, then the production was worthwhile.« Der Hauptdarsteller Alain Morell betonte dies: »The balance between humor and seriousness is important. 'Discrimination' is a serious matter, but I hope that we can discuss it with a little humor.« Nun bleibt es abzuwarten, ob Leroy in den japanischen Kinos zu sehen sein wird und so in die Fußstapfen von Lola rennt und Der Untergang tritt. 2007-10-29 15:48
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