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46. Viennale

Wien
17. – 29.10.08
05

Teil 5: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Von Martin Thomson
Ab einem gewissen Alter scheint man, ganz unabsichtlich, in eine Phase lang- und kurzfristiger, ewiger oder nur scheinbar ewiger Abschiednahmen hineinzustolpern. Auch die Viennale hat dieser Tage ihr Ende gefunden. Die hübschen grauen Promotion-Taschen werden, genau wie die zahlreichen Plakate, in den nächsten Tagen aus dem Wiener Stadtbild verschwunden sein, das für eineinhalb Wochen brachliegende Privatleben einiger Dauergäste darf wieder aufgenommen werden, und auch deren Nahrungsmittelaufnahme wird nicht länger auf Rum-Kokos-Kugeln von »Casali« beschränkt bleiben, die in den Kino-Foyers ……


04

Teil 4: Wahre Schönheit und andere Blasiertheiten

Von Martin Thomson
Eine äußerst anstrengende Viennale-Woche liegt hinter mir: Illusionszertrümmerung, eigenartige Träume, schlechtes Erwachen, aufreibende Radtouren und die nicht mehr länger zu leugnende Einsicht, dank seichter Filmchen über belanglose Gaunereien oder von nackten Waldmädchen verfolgter Teenager seine geschmacklichen Präferenzen endgültig zweiflerischen Regisseuren mit übermäßigem Hang zu depressiven Märtyrerfiguren überschrieben zu haben. War ich mies drauf, weil ich ins Kino ging, oder ging ich ins Kino, um mies drauf zu sein?

Georg Simmel schrieb einmal, das Dasein in der Großstadt ……


03

Teil 3: Passionsparabeln und Keuchhusten

Von Martin Thomson
Eigentlich ist das Wiener Verkehrsnetz keine besonders schwer zu bewältigende Herausforderung für Verkehrsteilnehmer: Der Ring umschließt den 1. Bezirk, der Gürtel trennt die zentralen acht Bezirke von den Umliegenden, und ohnehin ist deren spiralförmige Anordnung nicht besonders schwer zu durchblicken. Es bedarf daher schon einer besonders stark ausgeprägten Orientierungslosigkeit oder Landkartenlegasthenie, um sich mit dem Fahrrad dennoch hoffnungslos zu verfahren. Auf den Verfasser dieses Textes trifft das leider zu.

Was hat das nun mit der Berichterstattung über die Viennale zu tun? ……


02

Teil 2: Schlaflos in Wien

Von Martin Thomson
Nach meiner im letzten Festivalbericht ausführlich beschriebenen cineastischen Illusionszertrümmerung sah ich mich einem höchst eigenartigen Traum ausgesetzt, in dem ein Filmproduktionsteam das Wiener Künstlerhauskino gestürmt und alle im Zuschauersaal befindlichen Stühle zersägt hat, so daß die Gäste anschließend auf unkomfortablen Plastik- und Holztrümmern Platz nehmen mußten. Dann schob der Vorhang die Leinwand frei, auf der ein spanischer Film namens Eskalofrio projiziert wurde. Erst nachdem ein paar Minuten vergangen waren, spürte ich einen gepolsterten Kinosessel unter meinem ……


01

Teil 1: Cinema Bites

Von Martin Thomson
Cineasten haben es schwer. Nicht selten sehen sie sich dem Vorwurf ausgeliefert, sie wären naive Realitätsflüchtlinge. Ein Vorwurf, der sich angesichts der Filme, die ich auf den Eröffnungstagen der 46. Viennale sichten durfte, als haltlos erweist. Kino entzaubert hier Scheinwelten, bestätigt Befürchtungen und enttarnt woanders schöngefärbte gesellschaftliche Idealvorstellungen als Lügengebilde. Am Ort, wo angeblich Träume geboren werden, schläft es sich dieser Tage schlecht.

Vorurteil 1: Nein, von Beginn ihres Lebens an zu Künstlern Berufene erlangen nach jahrelangem Mißerfolg ……

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