— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

21. Tokyo International Film Festival

Tokio
18.10. - 26.10.08

Das »grüne« Filmfestival Tokio

Von Martin Dorst Am Samstag, den 18.10. begann das 21. Tokio Internationale Film Festival. Dieses Jahr konzentriert sich die Veranstaltung auf das Thema Umwelt. Als besonderes Zeichen für das Engagement wurde der traditionelle rote Teppich durch einen aus Plastikflaschen recycelten grünen Teppich ersetzt. Dann setzte auch noch der vor ein paar Wochen neu gewählte Ministerpräsident einen drauf, indem er als erster in seiner Funktion bei der Eröffnung des Festivals dabei war. Ein internationales Filmfestival, zudem noch eines der größten in Asien, zugunsten der Umwelt ist eine großartige Idee. Die Erwartungen waren hoch.

Um der Idee Nachdruck zu verleihen, wurde eine neue Filmpreis-Kategorie, der »Toyota Earth Grand Prix«, für besondere Filme im Bereich Umwelt und Ökologie eingerichtet. Gut, aber ist Toyota nicht eine Autoproduktionsfirma? Richtig, doch auch zugleich der Hauptsponsor des diesjährigen Filmfestivals. Also, ein Umweltschädling will etwas Gutes für sein Image tun, na gut. Nun kamen also die Gäste den grünen Teppich entlang zur Hauptbühne. Diesen beschritt gegen Ende der Schauspieler und Oscar-Preisträger Jon Voight, diesjähriger Präsident der Jury. Weitere Jurymitglieder sind Michael Gruskoff (Produzent), Huo Jianqi (Regisseur), César Charlone (Kameramann), Fumi Dan (Schauspielerin) und Koji Takada (Drehbuchautor).

Allerdings spielten die geladenen Gäste auf dem roten Teppich nur anscheinend die Hauptrolle. »Heimlicher Star« war das neue Auto (Diesel oder Benzin, kein Hybrid!) von Toyota. Aus diesem kleinen Kübel stiegen die Gäste aus, als sie am Teppich ankamen. Dieses Auto mußten sie auch mehrmals passieren, da es an wichtigen Stellen des Teppichs aufgestellt war, besonders präsent links und rechts von der Hauptbühne. Auch die Ansagerin konnte die Automarke nicht oft genug erwähnen. Wenigstens waren die Filmemacher des japanischen Films Echo of Silence (2008) so aufmerksam, daß sie extra Leute anstellten, um die Autos bei ihrem Auftritt zu verdecken. Wenn das Organisationskomitee die Idee zu einem grünen Festival hatte, warum entschieden sie sich nicht für Fahrräder? Besonders stolz war das diesjährige TIFF auf den Bezug von Ökostrom. Nebenbei bot es auch noch eine »TIFF Earth Conference«, in der geladene Filmemacher verschiedene Themen der globalen Umwelt diskutieren. Wie wäre es stattdessen mit umweltfreundlicher Filmproduktion oder mit der Einrichtung eines grünen Engels für besondere Filme im Bereich Umwelt oder für umweltfreundlich produzierte Filme?

Was die Filme angeht, so wurden im Rahmen von »natural TIFF supported by Siewissenschon« Filme mit Bezug zur Umwelt, wie Encounters at the End of the World (2007) von Werner Herzog oder Earth (2007) von Alastair Fothergill und Mark Linfield, gezeigt. Auch dieses Jahr befand sich wieder ein Film eines deutschen Regisseurs im Rennen um den begehrten »Tokyo Sakura Grand Prix«. Es handelt sich um Planet Carlos (2008) von Andreas Kannengießer. In diesem Semi-Dokumentarfilm ist der kleine Carlos die Hauptfigur, ein kleiner Junge, der wie so viele andere in Nicaragua versucht, seinen Traum zu verwirklichen. Auf dem Weg, ein Poet und Schriftsteller zu werden, muß er einige Hürden überwinden. Die größte davon ist, Verantwortung zu übernehmen. Damit reiht sich der Film in die Liste der Dramen, die den Hauptanteil der Nominierungen stellten. Der Wettbewerb wird noch durch den französischen Actionfilm Public Enemy No. 1 (2008) von Jean-François Richet sowie den chinesischen Katastrophenfilm Super Typhoon (2008) von Feng Xiaoning aufgelockert. 2008-10-29 14:24
© 2012, Schnitt Online

Sitemap