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Filmfest Dresden 2011

23. Filmfest Dresden International Short Film Festival. D 2011. L: Karolin Kramheller, Katrin Küchler, Alexandra Schmidt.
Dresden, 12. – 17.4.11
05

Ausgezeichnet!

Von Cornelis Hähnel Die Eindrücke auf einem Langfilmfest nach fünf Tagen sind ja bereits enorm, doch bei einem Kurzfilmfest potenziert sich dies noch einmal und gerade aufgrund der heterogenen Programmierung fällt es schwer, ad hoc einen klaren Favoriten zu nennen. Doch die Jurys mußten sich festlegen und verkündeten gestern ihre Entscheidungen bei der Preisverleihung vom Filmfest Dresden.

Der Goldene Reiter für den besten Animationsfilm ging an La formation des nuages von der Regisseurin Marie-Hélène Turcotte. In poetisch-verspielten Buntstiftzeichnungen erzählt sie vom Übergang zwischen Kindheit und Jugend, Unschuld und erstem sexuellen Interesse, und läßt Erinnerungen und Träumereien miteinander verschmelzen. Ein zarter und unaufgeregter Film, der nicht nur mit seiner gelungenen Ästhetik, sondern ebenfalls auf inhaltlicher Ebene überzeugen kann.

Eine Seltenheit trat beim Preis für den Besten Kurzspielfilm auf, denn nicht nur die Jury (bestehend aus Paul de Nooijer, der Malerin und Bühnenbildnerin Ismet Ergün und dem Produzenten Martin Vandas), sondern auch das Publikum entschieden sich für denselben Film. Über die zweifache Auszeichnung freuen durfte sich der Franzose Olivier Treiner, der mit L'accordeur einen cleveren Kurzthriller realisiert hat. Ein einst hoffungsvoller Jungpianist kann mit seinem Versagen bei einem internationalen Wettbewerb nur schlecht umgehen und arbeitet nun als Klavierstimmer. Er gibt vor, blind zu sein, um unauffällig in das Leben seiner Kunden einzudringen, doch bei einem Termin wird ihm seine Lüge zum Verhängnis. L'accordeur beherrscht geschickt die Regeln des Genres, baut langsam und dicht die Spannung auf, die ihren Höhepunkt im offenen Ende findet. Lange nicht war während eines Abspanns die Anspannung der Zuschauer so spürbar wie hier. Großes Kino im kleinen Format. Der Preis der Jugendjury ging an den bereits hier an früherer Stelle gelobten Rita.

Im nationalen Wettbewerb gewann A Lost and Found Box of Human Sensation als Bester Animationsfilm. Und auch hier gab es absurderweise ebenfalls eine klare Übereinstimmung: der Goldene Reiter für den Besten Kurzspielfilm und der Preis des Publikums ging an Viki Ficki von Natalie Spinell, ein tragikomischer Blick auf das besondere Verhältnis eines jungen Mädchens und ihrer extrovertierten Mutter. Der Förderpreis der Kunstministerin ging an Radiostar von Youdid Kahveci und der bereits beim Filmfestival Max Ophüls Preis ausgezeichnete Kurzfilm Zwischen Himmel und Erde über zwei Brüder, die im Fahrwerk eines Flugzeugs ihre Heimat verlassen wollen, erhielt den Arte-Preis. Der Street-Art-Film Big Bang Big Boom erhielt den KlangMusikPreis 2011.

Das Filmfest Dresden hat mit seiner 23. Ausgabe nicht nur bewiesen, einen hohen qualitativen Standard zu erfüllen, sondern auch, wie essentiell der Kurzfilm für die Kinokultur eigentlich ist. Denn solch geballte Kreativität und Innovation ist beim Langfilm kaum noch zu finden. Und somit macht das Filmfest Dresden nicht nur Lust auf Kino, sondern zelebriert auch die Lust am Erzählen in all ihren Facetten. Und das ist ein Gewinn. Für alle Beteiligten. 2011-04-17 18:33

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