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Festival del film Locarno 2011

64° Festival internazionale del film di Locarno. CH 2011. L: Olivier Père.
Locarno, 3. – 13.8.11
01

Spezialeffekte und Leinwandstars

Von Christine Dériaz Laut und donnernd hat es angefangen, das 64. Festival von Locarno. Am Nachmittag schien die Welt, unter Mithilfe eines Gewitters, untergehen zu wollen und den Abend auf der Piazza Grande, buchstäblich, ins Wasser fallen zu lassen. Aber schon zur offiziellen Eröffnung in der schönen Magistrale klärte es auf, und so konnte die Bürgermeisterin die Stadt den Filmemachern und Filmenthusiasten übergeben, die Politik das verbriefte Recht auf Freiheit der Kunst betonen, und der Festivalpräsident mit flammenden Worten das Festival für eröffnet erklären. Auf der Piazza wurden derweil die Stühle wieder abgetrocknet: es kann losgehen. Was dann allerdings zunächst losging, war ein weiterer Regenguss, panisch flüchteten einige bereits sitzende Zuschauer, andere zogen sich einfach ein Regencape über und warteten, und wirklich, pünktlich um 21.30 Uhr hatte der Regen aufgehört, die Turmuhr schlug, und der erste, reguläre Abend auf der Piazza Grande konnte beginnen.

Präsident Marco Solari und der künstlerische Direktor Olivier Père, begrüßten und eröffneten nun also vielsprachig im schönsten Freiluftkino, das sich denken läßt, und schickten gleich, wenn auch nur per Videobotschaft, einen Star auf die Leinwand: Kirk Douglas erzählte kurzweilige Anekdoten zu Drehs mit Vincent Minnelli, dem dieses Jahr eine große Retrospektive gewidmet ist.

J.J. Abrams Monster-Action-Film Super 8 füllte die Leinwand mit Spezialeffekten, berstenden Zügen und explodierenden Wagen, während mutige und filmbesessene Teenager ein bißchen erwachsen wurden, ihre Heimatstadt retteten und einem Alien halfen wieder nach Hause zu kommen. Lustig war das, laut, knallig, effektvoll und gut gemacht.

Tag 1 beginnt mit einem chinesischen Film Hello! Shu Xian Sheng von Jie Han, eine schöne wenn auch etwas konfuse Geschichte um einen Sonderling in einem Dorf, das von der Räumung bedroht ist. Ein bißchen Geistergeschichte, ein bißchen Liebesgeschichte, und eine gute Portion skurriler Gestalten die die chinesische Provinz bevölkern. Wirklich verständlich war das trotzdem nicht und auch der Festivalkatalog bot wenig Hilfe, in vier Sprachen gibt es Inhaltsangaben, aber keine zwei beschreiben dasselbe!

Fester Termin für die Leopardengewinner von Morgen: die internationalen und nationalen Kurzfilme. Bez sniegu des in Polen studierenden Schweden Magnus von Horn ist eine langsame Geschichte in der am Ende exzessive Gewalt durchbricht, ziemlich beeindruckend, besonders die sehr jungen Darsteller. Ein großer Spaß Respect von Benoit Forgeard, Szenen einer Partnerschaft, mal ganz anders, der Frühstücksflockenbär Flippy und sein Freund Steph, der ihn verlassen will, um sich in einer japanischen Schule zum Ninja ausbilden zu lassen. 15 Minuten Film, die man gesehen haben muß.

Natürlich die Piazza am Abend, mit Leslie Caron tritt eine weitere Wegbegleiterin Minnelis auf, diesmal live auf der Bühne und unter großem Beifall, der , vermutlich rund 8.000 Zuschauer. Und dann die Weltpremiere von Headhunter von Morten Tyldum. Ein Headhunter und Kunstdieb trifft auf einen Ex-Elitesoldat und leitenden Angestellten einer Elektronikfirma, ein Machtkampf mit sehr unsauberen Methoden, viel Filmblut, vielen demolierten Fahrzeugen und einer guten Portion schwarzem Humor, entbrennt, sehr spannend, sehr abgefahren, und mit einem bösen, vielleicht nicht ganz politisch korrektem Schluß. 2011-08-08 12:57

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