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Diagonale 2012

Festival des österreichischen Films.
A 2012. L: Barbara Pichler.
Graz, 20. – 25.3.12
04

Matt

Von Christine Dériaz Kurz vor Schluß, während sich schon die meisten auf die abendliche Preisverleihung vorbereiten, nochmal ins Kino, Nr.7 von Michael Schindegger erweist sich als Doku, die mehr will, als sie dann sinnvoll bieten kann. Der Regisseur zeigt das Wohnhaus, in dem er schon immer gelebt hat, und aus dem er bald ausziehen wird. Zu diesem Anlaß nimmt er sich vor, seine Nachbarn (besser) kennenzulernen. Was aber, trotz gut kadrierter, feiner Bilder, bleibt, ist ein bunter Anekdotenreigen, in dem neugierig die ihm unbekannten Bräuche seiner jüdischen Nachbarn gezeigt werden, er Russisch mit einem weiteren Nachbarn lernt und Hochzeitsvorbereitungen mit der Familie seiner Rumänischen Freundin trifft. Obwohl im Abspann eine dramaturgische Beratung erwähnt wird, glänzt die Dramaturgie eher durch Fehlen, was schade ist. Ähnlich ergeht es Stoff der Heimat von Othmar Schmiderer. Sein Film über alpenländisches Trachttragen ist in weiten Teilen gut strukturiert, interessant und witzig, verliert aber gegen Ende komplett die gut gebaute Dramaturgie, verschenkt ein Ende, nur um noch mal auf Punkte zurückzukommen, die vorher schon abgehandelt wurden.

Nachdem Umut Dag letztes Jahr mit seinem Kurzfilm Preise abräumen konnte, gab es dieses Jahr seinen ersten langen Spielfilm Kuma zu sehen. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, wenn auch etwas zu glatt und poliert, ein paar ruppige Kanten hätten der Geschichte nicht geschadet, aber dabei mehr eigene Handschrift sehen lassen. Auf jeden Fall ein österreichischer Regisseur, von dem man noch hören wird.

Die Preise, das ist ja an sich immer irgendwie ein problematisches Feld: Die einen Filme hat man nicht gesehen, die anderen hat man gesehen, wünschte aber, sie verpaßt zu haben, und die Juryentscheidungen sind nicht immer nachvollziehbar. So gewann Stillleben den Hauptpreis für Spielfilme und Richtung Nowa Huta von Dariusz Kowalski – leider nicht gesehen- den Großen Preis für Dokumentarfilm. Der Kamerapreis Spielfilm für Gerald Kerkletz (Stillleben und Michael) ist durchaus gerechtfertigt, der Kamerapreis Dokumentarfilm ging an Joerg Burger für The Future´s Past – Creating Cambodia – leider auch verpaßt. Festivalpech so was, da geht man fünf Tage bei schönstem Sonnenschein von 11 Uhr morgens bis weit nach Mitternacht ins Kino, und hat doch nicht alles gesehen. 2012-03-26 16:06

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