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Ein Fisch namens Wanda

A Fish Called Wanda. GB 1988. R: Charles Crichton. B: John Cleese. K: Alan Hume. S: John Jympson. M: John Du Prez. P: Michael Shamberg/ Prominent Features. D: John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken, Patricia Hayes u.a.
108 Min. UIP ab 26.1.89

Nichts vom Charme verloren

Von Jutta Klocke Das »big caper movie«, das die ausgeklügelte Planung und Durchführung eines Raubüberfalls ins Zentrum der Handlung rückt, gilt allgemein als amerikanische Erfindung. Die klassische Film noir-Periode der 40er und 50er Jahre brachte es zu Ruhm und Ehre: In dieser Zeit entstanden gleich mehrere solcher Gangsterfilme, die bis heute Vorzeigecharakter besitzen, unter ihnen John Hustons Asphalt Dschungel oder Kubricks The Killing. All jenen Filmen haftete die düstere Atmosphäre des unausweichlichen Scheiterns an, die zum Markenzeichen des Film noir avancieren sollte. Seither hat das »big caper movie« eine Reihe von Variationen erfahren, in denen mit seinen eigentlichen Merkmalen auf innovative Weise gespielt wird. Tarantinos Reservoir Dogs mag ein gutes Beispiel hierfür sein.

Ein Fisch namens Wanda nun zeigt, was dabei herauskommt, wenn sich ein Brite und – als wäre das allein noch nicht genug – Ex-Monty Python-Mitglied dieses scheinbar ur-amerikanischen Stoffes annimmt. In Zusammenarbeit mit Charles Crichton griff John Cleese ebenjene Grundidee des »big caper movies« auf, um sie auf eine ganz eigene Weise zu interpretieren. Logisch, daß dabei die Form des Dramas jener der Komödie weichen mußte. Auch der Handlungsschwerpunkt wurde in Ein Fisch namens Wanda verlagert: Es geht hier weniger um die Vorbereitung und Durchführung des Juwelenraubs, sondern vielmehr um dessen – äußerst verworrene – Konsequenzen.

Die Figurenkonstellation dagegen ist sehr deutlich den Vorbildern nachempfunden: Man findet sowohl den mit kühlem Kopf operierenden Bandenchef, den (angeblichen) Schwächling, der das Vorhaben zum Scheitern zu führen droht, die durchtriebene femme fatale sowie den hinterhältigen, weniger das Rationale als das Physische hervorkehrenden Schurken. Allerdings, so stellt sich schnell heraus, verwenden Cleese und Crichton diese Anlehnung an die Originale lediglich zum Zwecke der Karikatur. Natürlich wurde dabei nicht auf den einen oder anderen Seitenhieb gegenüber den Amerikanern verzichtet: Während die britischen Figuren trotz der ihnen eigenen Komik stets auch einen Funken Mitgefühl hervorrufen, ist als einziger der Ex-CIA-Mitarbeiter Otto wirklich lächerlich.

Bei einem Drehbuch, das vor allem auf Dialog- und Situationskomik setzt, hängt die Qualität des letztendlichen Films stärker als sonst von der Überzeugungskraft der Darsteller ab. Im Falle von Ein Fisch namens Wanda erweist sich die Wahl der Besetzung als reinster Glücksgriff, ja, es scheint so, als seien die Rollen den jeweiligen Akteuren auf den Leib geschrieben. Dabei gebührt dem Team Crichton/Cleese ein großes Lob für die Kunst, den einzelnen Schauspielern innerhalb des Ensembles genügend Raum für die Entfaltung der jeweiligen Charaktere gegeben zu haben. Die Gleichberechtigung, die den Figuren entgegengebracht wird, trägt zu dem Abwechslungsreichtum und dem Tempo bei, die diese Komödie auszeichnen. Und natürlich ist es nicht zuletzt dem britischen Humor zu verdanken, daß Ein Fisch namens Wanda auch nach 15 Jahren nichts von seinem Charme verloren hat. 1970-01-01 01:00

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