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Nach fünf im Urwald

D 1995. R,B: Hans-Christian Schmid. K: Klaus Eichhammer. S: Hansjörg Weißbrich. M: Rainer Michel. P: Claussen & Wöbke. D: Franka Potente, Axel Milberg, Dagmar Manzel, Thomas Schmauser u.a.
105 Min. Senator ab 18.4.96

Nostalgie-Joint

Von Natascha Kramer Und warum darf man nach fünf nicht mehr in den Urwald gehen? Weil die Elefanten dann Fallschirmspringen üben. Diese liebenswerte Überlebenskomödie hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber der Zuschauer ist dankbar über jede geäußerte Wahrheit – auch wenn es »nur« die Wahrheiten unserer Jugend sind. Denn Anna wird süße 17, und ihre brave Geburtstagsfeier gerät ein wenig außer Kontrolle. Die Eltern begutachten schließlich am nächsten Morgen das ganze Elend in der nahezu ruinierten Wohnung. Ergebnis: Anna bekommt Hausarrest (das Schreckgespenst unserer eigenen Jugendjahre – jetzt begegnen wir ihm mit einem lachenden Auge). Aber Anna büxt in die große weite Welt aus, in diesem Falle ist das München.

Sie erlebt die Abenteuer der Nacht, derweil die Eltern noch einmal sentimental in den Erinnerung an ihre eigene Pubertät versinken (der Nostalgie-Joint ist da nur das Tüpfelchen auf dem I) und zu dem Fazit kommen: »Nach dem Kauf der ersten gemeinsamen Waschmaschine ist doch sowieso alles gelaufen.« Ein Satz, den man sich merkt. Genauso wie die Notizen von Clara, Annas Schwester, wesentlich jünger, dafür umso altklüger. Von ihr erfahren wir endlich, was Politik ist: »Der Fotograph hat Fotos von Annas Geburtstag und Papa gemacht. Die kommen in ein Prospekt. Der landet bei allen Leuten im Briefkasten. Die wählen Papa dann zum Bürgermeister.« Danke, Clara!

Sehenswert an diesem Film ist sicherlich auch Franka Potente, so jung und naiv wie später nur noch selten. Und wenn sie oben ohne und mit eindeutigem Babyspeck nachts verbotenerweise schwimmen geht, finden sie sicherlich nicht nur ihre männlichen Fans goldig.

Nach fünf im Urwald ist ein Film über die Schönheit der Jugend, eine vergnügliche Hommage an die Zeit der Entdeckungen – und wir entdecken, daß sie doch nicht so schrecklich waren. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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