— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Tatort

Der Tatort im Ersten. Sonntag, 20:15 Uhr. Die Nachbesprechung auf Schnitt Online. Montag ab 9 Uhr.
19

Alle lieben Konrad

Tod auf dem Rhein (SWR/Ludwigshafen, EA: 28.2.10)

Von Christian Lailach Steh auf, wenn du am Boden bist, scheppert Campino aus den Boxen. Was meinen Sie, Herr Kopper? Das schaffen Sie schon! Während Mario Kopper allerorten seiner Destruktivität frönt, entdeckt Lena Odenthal derweil klammheimlich offensichtlich ihre Muttergefühle. Mist, entfährt es dann dem Mario, weil er weiß, daß sie die ganze Zeit über nicht wirklich viel ermittelt haben. Doch dann schlummert er wieder ein und vor sich hin und sie stochert weiter herum in dem Sumpf zwischen Werft und Hockenheimring.

Oder will Tod auf dem Rhein etwa Bezug nehmen auf den Kommissar aus Belgien? Ein unspektakulärer Tod auf dem Fluß und alle Verwandten, Verstrickten oder zumindest Interessierten sind erst einmal irgendwie verwandt, verstrickt oder interessiert. Und auch hatte Konrad mit allen Frauen etwas – von einer Liaison bis zu handfesten Zukunftsplänen; oder waren das eher Wunschgedanken der ein oder anderen? Insoweit stimmt die Adaption schon mal. Doch – und das hätte uns ein Poirot nicht angetan – treiben sie alle nicht allmählich den Fluß hinab, gefangen auf engstem Raum, sondern liegen vor Anker und verheddern sich in der Vergangenheit, der Gegenwart und den eigenen Problemen. So scheint der Poirot wohl eher mit den Rivalen der Rennbahn gekreuzt worden zu sein – und heraus kam ein Tatort, der zwar konsequent, aber weder spannend noch dramatisch oder irgendetwas in Richtung kriminalistisch ist. Tatsächlich wird die Figur Odenthal, wie es seit geraumer Zeit zu beobachten ist, immer weiter empathisiert; schäkert mit der eng bekleideten Rechtsmedizinerin, während sie zum Sohn des Opfers die Fürsorgliche mimt. Das paßt alles zueinander, ist in sich stimmig, nur irritiert es nachhaltig. Vielmehr noch, wenn dann die alte, vertraute Odenthal doch noch mal im Jogginganzug die letzten Informationen einholen darf. Da werden Erinnerungen wach, die nur eine Frage aufkommen lassen. Wohin will sie denn nun, die Frau Odenthal? Neue Frisur oder virile Figur? Beides geht nicht.

Der Kopper derweil bleibt sich treu, auch wenn er scheinbar nicht ganz mit Odenthals femininer Wandlung klarzukommen scheint. Immer zurückhaltender, wortkarger und gelangweilter schleppt er sich allein durchs Bild, während Lena immer mehr Händchen hält. Auch das eine Perspektive, wenn auch keine an sich verfolgenswerte. So steckt noch eine Menge Potential in der seit geraumer Zeit anhaltenden Verwandlung der Kommissare, zu der dieser Tatort nicht wirklich viel beigetragen hat. Vom Fall an sich ganz zu schweigen. So allmählich könnte also wieder einmal eine ordentliche Brise durch Ludwigshafen wehen. Die Hoffnung aufzugeben wäre verfrüht. Sie schaffen das schon! 2010-03-01 11:38

Weitere Artikel

© 2012, Schnitt Online

Sitemap