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Tatort

Der Tatort im Ersten. Sonntag, 20:15 Uhr. Die Nachbesprechung auf Schnitt Online. Montag ab 9 Uhr.
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Das ist mein Laden

Glaube, Liebe, Tod (ORF/Wien, EA: 29.8.10)

Von Alexander Scholz
Gespannt wie ein Flitzebogen ist vorerst nur der Flitzebogen zu Beginn dieses Tatorts. Dessen Spannung entlädt sich und der Pfeil fliegt punktgenau und im schönem Bogen ins Ziel. Eigentlich keine ganz so schlechte Allegorie für den Verlauf eines Krimis. Hauptkommissar Eisner kann diesem Geschehen allerdings wenig abgewinnen. Die mit diesem Sport verbundene Kontemplation ist dem bodenständigen Ermittler sowieso fremd. Da kommt es ihm ganz gelegen, daß sein Handy laut zu klingeln beginnt und er sich nach dem üblichen »Aha und wo?« in Richtung eines Wiener Vorortes aufmachen kann, um dort ……


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Kinder machen nur Probleme

Kaltes Herz (WDR/Köln, EA: 21.3.10)

Von Gerrit Booms
In einer heruntergekommenen Wohnung wird ein toter Jugendamtsmitarbeiter gefunden, getötet mit einigen Messerstichen. Es fehlen: Eine Tatwaffe, ein Mörder und ein Kind! Als plötzlich die Mutter vom Feiern hereinplatzt und den Kindsvater beschuldigt, wird den Kölner Kommissaren klar, daß das ein ganz schwieriger Fall wird – denn bei Kindern muß man vorsichtig sein. Soweit die Grundvoraussetzung für Kaltes Herz, einen erschreckend ersponnenen Tatort.

Die Autoren Peter Dommaschk und Ralf Leuther reihen ein kinderbezogenes Problemklischee ans nächste: hier die überforderte Jungmutter, ……


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Wooden Heart

Absturz (MDR/Leipzig, EA: 14.3.10)

Von Kyra Scheurer
Als englische Version von »Muß I denn« singt Elvis im Film Café Europa mit einer Handpuppe über gebrochene, weil eben nicht hölzerne Herzen. Mit dem gestrigen Tatort hat das zunächst einmal nichts zu tun – denn es läuft nicht dieser Song, als Martin Wuttke alias Keppler zur Erleichterung des Zuschauers nach einem endlos langen und musikdominierten Prolog brüllt »Macht endlich dieses Gedudel aus«. Einige Verbindungen lassen sich aber doch herstellen: Da ist zum einen Simone Thomalla, deren darstellerisches Können samt unverwechselbarer Mundmimik sicher einige Parallelen zum Filmschaffen ……


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Alle lieben Konrad

Tod auf dem Rhein (SWR/Ludwigshafen, EA: 28.2.10)

Von Christian Lailach
Steh auf, wenn du am Boden bist, scheppert Campino aus den Boxen. Was meinen Sie, Herr Kopper? Das schaffen Sie schon! Während Mario Kopper allerorten seiner Destruktivität frönt, entdeckt Lena Odenthal derweil klammheimlich offensichtlich ihre Muttergefühle. Mist, entfährt es dann dem Mario, weil er weiß, daß sie die ganze Zeit über nicht wirklich viel ermittelt haben. Doch dann schlummert er wieder ein und vor sich hin und sie stochert weiter herum in dem Sumpf zwischen Werft und Hockenheimring.

Oder will Tod auf dem Rhein etwa Bezug nehmen auf den Kommissar aus Belgien? Ein unspektakulärer ……


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Emanzipationsgeschichten II

Königskinder (RB/Bremen, EA: 7.2.10)

Von Christian Lailach
Ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf und aus der nölenden, stets etwas angeschlagenen Kommissarin Lürsen wird die zahme, das Leben genießende Inga. Was anfangs noch etwas befremdlich erscheint, ist am Ende längst vergessen und niemand erinnert sich mehr so recht an den Sturz und das Knacken beim Wiedereinrenken der Halswirbel. Doch nicht nur Frau Kommissarin weiß mit neuem Charakter zu beeindrucken, auch ihr Gefährte Stedefreund zeigt Emotionen. Womit wir schon mittendrin wären.

Ein Einbruch im Erdgeschoß, Beischlaf eine Etage drüber. Sie gewürgt, er befreit sich, erschießt einen ……


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Emanzipationsgeschichten

Vergessene Erinnerungen (NDR/Hannover, EA: 31.1.10)

Von Christian Lailach
Daß die Tatort-Kommissare jetzt auch öfter mal mit den weichen Drogen in Kontakt kommen, ist ja unlängst bekannt. Daß Lindholm aber auch mal gleich im LKW zwei Tönnchen Hasch, Dope, Marihuana – ein Gruß an alle älteren Zuschauer: Die nennen das zwar immer anders, gemeint ist jedoch jedes mal das gleiche! – durch die Gegend kutschiert, geht allmählich zu weit. Nicht wegen des Bio-Grases, sondern aus einem ganz anderen Grund.

Technisch traut sich der Tatort ja immer mal wieder etwas mehr zu als die gängigen Fernsehformate. Das geht mal gut, das nervt auch mal. Mittlerweile sind ……


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Klassengesellschaft

Hilflos (SR/Saarbrücken, EA: 24.1.10)

Von Alexander Scholz
»Das macht doch alles keinen Sinn«, bemerkt Kriminalhauptkommissar Kappl bei der Tatortbesichtigung treffend und hat damit das zentrale Problem dieses Krimis auf den Punkt gebracht. Zur kriminalistischen Aufklärungsarbeit gehört nämlich immer auch die Suche nach der Motivation des möglichen Delinquenten. Das Ziel dieser Suche ist es, die Zweckmäßigkeit einer Straftat für den Verdächtigen herauszubekommen und fortan dahingehend ermitteln zu können. An dieser Stelle fördert das Handeln der Gesetzeshüter zuverlässig eine interessante Unterscheidung zutage – die zwischen Sinn und Zweck. ……


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Komm zurück, Schimi!

Klassentreffen (WDR/Köln, EA: 10.1.10)

Von Kyra Scheurer
Der Titel Klassentreffen mitsamt der Ankündigung, Kommissar Ballauf träfe seine Jugendliebe auf selbigem und werde fortan des Mordes an ihrem Gatten verdächtigt, ließ vorab auf die Tatort-Variante eines klassischen Thriller-Musters schließen: Möglichst kontrastreich angelegte Figuren, hohes Konfliktpotenzial dank unbeglichener Rechnungen aus der Vergangenheit, klare Rollenaufteilung dank Funktionsweise einer Klassengemeinschaft, engmaschiges Beziehungsgeflecht und hohes Geheimnispotential, weil man sich lange nicht gesehen hat – dazu dann oft eine bedrohlich enge räumliche Situation, ……


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Nüßchen für den Scharfrichter

Weil sie böse sind (HR/Frankfurt, EA: 3.1.10)

Von Alexander Scholz
Krimis fangen mit Morden an. Dabei ist es nicht unbedingt wichtig, ob Verbrechen und Täter gezeigt werden oder nicht. Die signifikante Spannung kommt nämlich dadurch zustande, daß in diesem Genre die Erzählung an dem »Detective« orientiert ist – gerade bei einem Format, das seine Serialität und seine Variation zum Großteil aus den unterschiedlichen Herangehensweisen der Kommissare bezieht. »The genre promotes suspense with respect to the twists and turns of the investigation and plays upon curiosity about the missing causal material« heißt es dementsprechend in David Bordwells Standardwerk ……


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Opas Deadline

Altlasten (SWR/Stuttgart, EA: 27.12.09)

Von Alexander Scholz
»Man weint immer zwei mal. Einmal wenn sie kommt und einmal, wenn sie geht.« Die Institution Familie evoziert – muß sie dem Anspruch genügen, innerhalb eines Krimis sowohl heimelige Spießigkeit als auch eine dynamische Figurenkonstellationen zu bieten – gelegentlich Allgemeinplätze. Dabei kann es passieren, daß die beiden Kommissare, die in diesem Tatort eigentlich mithelfen sollen, ein konservatives Familienbild etwas anzubröckeln, sich plötzlich mit solchen Plattitüden über Schwiegermutters Besuch austauschen. Da es sich bei den Gesprächspartnern allerdings um die Stuttgarter ……


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Mein Name ist Hase

Wir sind die Guten (BR/München, EA: 13.12.09)

Von Kyra Scheurer
Der erfahrene Ermittler Ivo Batic, gelernter »Fels in der Brandung«, weiß auf einmal nichts mehr. Weder erkennt er Kollegen Leitmayr, noch läßt er sich auf dessen penetrante Duzerei ein – Tabula rasa im Gehirn, der Arzt präzisiert die Diagnose zu »globaler Amnesie« und betont recht didaktisch, der störrische Patient habe wohl dem Tod ins Auge ins Auge gesehen oder sei kindheitstraumatisiert. Hat der Zuschauer sich – genau wie Leitmayr, der erstmal auch nichts glaubt und dementsprechend die Wände hochgeht – auf diese medizinisch eher obskuren Ausgangssituation einmal eingelassen, ……


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Leipziger Allerlei

Falsches Leben (MDR/Leipzig, EA: 6.12.09)

Von Christian Lailach
Im Jahr der 20-jährigen Einheit hau'n wir richtig auf die Pauke, lassen's ordentlich krachen, schauen zurück, aber auch nach vorn, räumen auf mit alten Vorurteilen und überhaupt. Leipzig, eine der ambivalentesten Städte seinerzeit, ist prädestiniert für so etwas. Hier gab es die Mustermesse, internationales Publikum und ein aktives Rotlichtviertel. Das »Schaufenster der DDR« sollte schließlich dem gemeinen Imperialisten klar machen, daß er diese Schätze sozialistischer Planwirtschaft niemals erreichen wird. Doch hinter den Kulissen wurde auch hier abgerissen, was nicht in den Kram paßte. ……


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LKA-Tussi mit Bodenhaftung

…es wird Trauer sein und Schmerz (NDR/Hannover, EA: 15.11.09)

Von Tamar Noort
Soviel Pathos war selten: Der Titel allein verheißt einen großen Sonntagabend. Es wird Trauer sein und Schmerz, das klingt nach Daphne du Maurier, nach einer Mischung aus Mystik, Melancholie und Pathos mit einem Schuß Poesie. Es klingt weniger nach einem bodenständigen Krimi, aber da Charlotte Lindholm an der Reihe ist, droht dieser »Tatort« niemals die Bodenhaftung zu verlieren. Charlotte Lindholm ermittelt nie zuhause in Hannover. Sie ist grundsätzlich die LKA-Tussi auf dem Lande, die sich in der störrischen Landbevölkerung erst Freunde machen muß, bevor sie den Fall lösen kann. ……


07

Heiliger Bimmbamm

Tempelräuber (WDR/Münster, EA: 25.10.09)

Von Oliver Baumgarten
Ein Mann wird überfahren. Als Kommissar Thiel am Tatort erscheint, wird die Leiche gedreht, und das Collarhemd eines Priesters kommt zum Vorschein. Kommissar Thiel pfeift durch die Zähne und raunt: »Heiliger Bimmbamm!« Schnitt. Wir sehen eine Reihe von Münsteraner Kirchen, auf der Tonspur erklingt das Bimmbamm lauten Glockengeläuts.

Willkommen in der Welt von Thiel und Boerne, in der es immer sehr launig zugeht, weil aus Prinzip kein filmischer, dramaturgischer oder dialogischer Gag ausgelassen wird, immerhin könnte er ja funktionieren. Bei Thiel und Boerne wird humoristisch stets scharf ……


06

Viel hilft viel

Um jeden Preis (BR/München, EA: 18.10.09)

Von Kyra Scheurer
»Ein Idealist? Ein Idiot!« beschreibt ausgerechnet die überflüssigste Nebenfigur, die Schwester, ihren toten, schwulen, investigativen und selbstverständlich auch geliebten Journalistenbruder – und bringt so mal eben das Thema dieses »Tatorts« auf den Punkt. Das hat sie gut gemacht, denn der Zuschauer braucht ein bißchen Orientierung, geht es doch andererseits mal wieder gleichzeitig um alles, brennen die Herren Leitmayr und Batic in der ihnen eigenen gelassenen Art ein wahres Feuerwerk aktueller Bezüge ab: Da wird gegen Hartz IV gekeilt, die Globalisierung ins Visier genommen, der »Gewerkschaftsobama« ……

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