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Darkman

USA 1990. R,B: Sam Raimi. B: Ivan Raimi, Daniel Goldin, Joshua Goldin u.a. K: Bill Pope. S: Bud S. Smith, David Stiven. M: Danny Elfman. P: Renaissance, Universal. D: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels, Larry Drake, Nelson Mashita, Jessie Lawrence Ferguson, Rafael H. Robledo, Dan Hicks, Ted Raimi, John Landis, Bruce Campbell u.a.
96 Min.

Der Mann mit der weißen Maske

Von Stefan Jung Das ist schon ein richtiger Seelenfrieden, dem damals noch höchst experimentierfreudigen Sam Raimi bei der Arbeit zuzuschauen. 1990 – lang ist’s her – da hat sich der Regisseur der bis dato zwei Filme umspannenden, legendären Tanz der Teufel-Trilogie seiner ersten Heldenfigur gewidmet. Antiheld. Natürlich.

Darkman erzählt die Geschichte des ehrgeizigen Wissenschaftlers Peyton Westlake (Liam Neeson), der mit seinen Forschungen kurz vor dem Durchbruch steht. Mithilfe von genetischer Transplantation versucht er, künstliche Haut erzeugen. Noch bevor er sein Ziel erreicht, sprengt eine Gangsterbande sein Labor in die Luft und foltert zuvor noch den Wissenschaftler mit Säure. Im Krankenhaus nicht mehr identifizierbar, wird Westlake für tot erklärt. Fortan streift er als bandagierter Rächer durch die nächtlichen Straßen von New York. Darkman ist geboren.

Raimi erschuf, nachdem er sich weder die Rechte für The Shadowers, noch für Batman sichern konnte, einfach seinen eigenen Superhelden. Dieser hat mit vielen anderen, wie Spider-Man oder dem Hulk vor allem die Symbiose biologisch-wissenschaftlichen Ursprungs und übermenschlicher Stärke gemeinsam (in seinem Fall: kein Schmerzempfinden!). Was ihn aber weitaus interessanter macht als die meisten anderen, ist seine zum Teil überaus sarkastisch-überzogene Gewalttätigkeit gegenüber seinen Peinigern. Darkman will keinen retten – außer vielleicht sich selbst. Mit seinen Taten entfacht er vorrangig einen verrückten Feuersturm der Angst und bleibt auf tragische Weise in seiner phantomhaften Erscheinung gefangen.

Den Kampf zwischen der gepeinigten Seele und dem entstellten Äußeren entlehnt der Film Klassikern wie Phantom Of The Opera, The Elephant Man oder Les Yeux Sans Visage. Gerade mit Letzterem hat Darkman viel gemeinsam, aber dann muß man auch schon wieder zu Raimis Inszenierungsstil springen, um nicht die Essenz zu verpassen. Was sich bereits in den ersten beiden Tanz der Teufel-Filmen etabliert hat, wird hier erfolgreich umgemünzt auf eine großstadttaugliche Heldenfigur: Darkman ist trashig und total verrückt. Zugleich ist er aber auch spannend, da zeitlich straff organisiert. Indem Westlake immer zumindest für eine kurze Zeit in andere, von ihm künstlich hergestellte Gesichter schlüpfen kann, spielt dieser Film noch stärker mit der Identitätsfrage des (Super-)Helden. Durch diese für den Film spezifischen, oft unkonventionell umgesetzten Spielregeln, macht das Hinsehen mit jedem Mal mehr Spaß. Und am Schluß blickt einem plötzlich das Gesicht von Raimis erstem Star und besten Freund Bruce Campbell entgegen – noch bevor er sich endlich der Armee der Finsternis stellen durfte. Das waren halt noch Zeiten! 2012-03-26 15:02
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