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Payback

USA 1999. R,B: Brian Helgeland. K: Ericson Core. S: Kevin Stitt. M: Chris Boardman. P: Icon. D: Mel Gibson, Gregg Henry, Maria Bello, David Paymer, Deborah Kara Unger, Lucy Liu, John Glover, William Devane, Jack Conley, Kris Kristofferson, James Coburn u.a.
100 Min.

Es waren doch nur 70.000

Von Stefan Jung Die 1990er waren für Mel Gibson das wohl erfolgreichste Jahrzehnt seiner Karriere. Da waren u.a. die letzten beiden Lethal Weapon (93/98), Braveheart (95), der mystische Fletchers Visionen (97) oder der relativ dumme Kopfgeld (98, von Illuminati-Regisseur Ron Howard). Viele dieser Filme werden wohl (oder übel) noch für viele weitere Jahre den TV-Bildschirm rauf und runter laufen, vielleicht auch einfach deswegen, weil sich einige Zuschauer immer wieder gerne an den früheren, häufig charmanten Gibson zurückerinnern möchten.

Daß der US-amerikanisch-australische Schauspieler, Produzent, Regisseur und Fanatiker aber auch anders kann, bewies er sowohl davor (Mad Max), als auch verstärkt in den letzten Jahren, in denen er seine eigenen Werke Die Passion Christi (2004) und den richtig guten Apocalypto (2008) auf die Leinwand bannte. Aber auch in den ach so prüden 1990ern gab es – wenngleich relativ spät – ein Highlight in Gibsons Karriere, das es gleich aus mehreren Gründen hervorzuheben gilt.

Es muß kurz nach den Dreharbeiten zu Lethal Weapon 4 gewesen sein, da hat sich der Mann wahrscheinlich gedacht: »Verflixt, ich möchte jetzt mal ein richtiges Arschloch spielen, so einen richtig fertigen Typen, bei dem ich Spaß haben kann.« Gedacht, getan, und Gibson holte sich den Regisseur Brian Helgeland ins Boot, der gerade für den Drehbuch-Oscar zu L.A. Confidential nominiert worden war (und den er dann auch gewann). Konnte man ja nicht wissen, daß der sich bei den Dreharbeiten als kompromißloser Sturkopf herausstellen würde, aber dazu gleich mehr.

Payback – Zahltag ist dann wohl auch einer der untypischsten Gibson-Filme geworden, die man sich zu der Zeit vielleicht hätte vorstellen können. Seine Figur heißt Porter, er säuft, er raucht (und zwar richtig viel) – und er will sein Geld zurück, um das ihn sein Ex-Partner Val Resnic gebracht hat. Das ist auch erst einmal alles. Wär alles gut gegangen, so wie Porter sich das vorgestellt hätte, wäre der Film schon nach 20 Minuten aus gewesen. Zum Glück läuft aber einiges schief, und wir als Zuschauer werden Zeugen eines bitterbös-sarkastischen Rachefeldzugs, bei dem sich die Hauptfigur allerhand Tricks einfallen lassen muß, um die bösen Buben (da kommen irgendwie immer mehr, am Schluß sogar Kris Kristofferson) zu überlisten.

Die Handlung ist ganz klar ein Remake des unerbittlichen, stilsicheren Klassikers Point Blank (1967), damals mit Lee Marvin in der Hauptrolle. Beide Filme basieren auf dem Roman The Hunter von Donald E. Westlake, der mittlerweile auch als Graphic Novel neuveröffentlicht worden ist. Es gibt jedoch noch einen dritten Film, der diesen Stoff umgesetzt hat – und das ist der Director’s Cut von Payback.

An einer Stelle, wo man dem Leser bereits durchaus selbst überlassen kann, sich den Film im Fernsehen anzuschauen, soll dennoch darauf hingewiesen werden, daß es Gibson selbst war, der seinen Regisseur damals feuerte und einen komplett neuartigen, dritten Akt drehen ließ. Die mit seiner eigenen Produktionsfirma Icon realisierte und von ihm persönlich abgesegnete Version ist denn auch diejenige, die seit jeher im TV ausgestrahlt wird. Sie ist düster, sie ist zielstrebig, sie ist unterhaltsam – kurzum: ein richtig guter Film. Der Vollständigkeit halber bleibt zu sagen, daß es wiederum Gibson selbst war, der Brian Helgeland im Jahr 2005 die Möglichkeit bot, jene vom Regisseur intendierte Version herzustellen, die noch viel dreckiger, viel brutaler und viel ausgereifter scheint. Auch wenn wir keine besessenen Sezierer von Filmfassungen sind, hier noch ganz kurz die Fakten, mögen sie irgendwann einmal auch den Fernsehzuschauer in ihren Bann ziehen (im Moment geht das scheinbar leider nur auf Bluray und DVD). Der Director’s Cut ist ganze elf Minuten kürzer als die Kinoversion, beinhaltet gleichzeitig aber über zwölf Minuten neues/ursprünglich vorgesehenes Material. Das Bild wurde dabei vollständig von seinem noir-typischen, dunklen Blaustich befreit und auch die von Gibson nachträglich eingefügten Voice-Over-Kommentare sind wieder weg, genau wie Kris Kristofferson.

Und die 70.000? Das erfährt man leider nur, wenn man den Film selbst schaut. Sorry! 2012-05-11 11:01

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