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Spectrums of Light

Temporary Gallery
Köln, 30.7. – 3.9.11
Pablo Pijnappel, Fontenay-aux-Roses, 2010

»Die Verwendung von Schwarz und Weiß bedeutet einen Bruch mit der Wirklichkeit.«

Von Ute Bongartz Regina Barunke, Sie sind die Kuratorin der Ausstellung »Spectrums of Light«, was deutet der Titel an?

Zum einen geht es um die Vielfalt der künstlerischen Ansätze, ein Spektrum, das auf das Hell und Dunkel und damit zugleich auf das Schwarz und Weiß im Film referiert. Zum anderen gefiel mir anfänglich das Wortspiel mit »Spectres«, also jene Geister, die in schwarzweißen Psycho- und Horrorfilmen ihr Unwesen treiben oder die sich im Film Noir der 1940er Jahre in den dunklen Winkeln der Großstadt verstecken. Geister der Filmgeschichte also, die uns Zuschauern den Unterschied von Realität und Fiktion vor Augen führen.

Die Ausstellung zeigt sechs Kunstfilme und eine Diainstallation – alle überwiegend Schwarzweiß und bis auf eine Ausnahme aus den letzten vier Jahren. Warum lenken Sie unseren Blick auf aktuelle Schwarzweißkunstfilme?

Mit der High-End Technologie verschwindet das Schwarzweiß und auch das filmische Trägermaterial mehr und mehr aus unserer Gegenwart. Es sieht so aus, als bewegen wir uns heute auf einen Wendepunkt zu, nach dem das Schwarz und Weiß im Alltäglichen nicht mehr gefragt ist, weg rationalisiert wird und sich exklusive Nischen sucht. Eine Nische ist die Kunst.

Weshalb greifen Gegenwartskünstler zum Schwarzweißfilm?

Die Verwendung von Schwarz und Weiß bedeutet immer auch einen Bruch mit der jeweiligen Wirklichkeit. Die uns umgebene Welt ist bunt. Es gibt dort per se keine schwarzweißen Dinge. Fehlen die Farben, dann schieben sich die Formen und Strukturen in den Vordergrund, durch die sich die Welt logisch analysieren ließe. Meine These ist, daß sich der Rückgriff auf Schwarz und Weiß nicht allein durch ästhetische Kategorien begründen läßt, sondern ein Stilmittel der Bildanalyse ist, der Subversion des Alltäglichen und der Reduktion auf letztendlich die Idee und damit auf die künstlerische Aussage. Es geht den Künstlern daher um die bewußte Entscheidung gegen die Abbildung von Wirklichkeit, die der Farbfilm gewährleistet, und für die Demontage des Bildes mit den Mitteln der Kunst.

Was zeichnet Ihre Werkauswahl aus?

Wichtig war mir zunächst die inhaltliche Auswahl, die sehr unterschiedliche künstlerische Strategien im Umgang mit Schwarz und Weiß vorstellt. Diese können narrativ, abstrakt oder etwa referentiell sein. Zum anderen geht es darum, international bekannte und weniger bekannte Künstler und Filmemacher zusammenzubringen, oder auch von den bekannteren Positionen in der Ausstellung Filme zu präsentieren, die bislang kaum gezeigt wurden.

Gibt es einen Film bei dem Sie besonders froh sind, daß er dabei ist?

Natürlich habe ich mich über die Teilnahme von Runa Islam gefreut, die mit ihrem Film »This much is Uncertain« (2009/2010) hier eine Premiere in Deutschland feiert. Der Film wurde bisher nur zweimal gezeigt, auf der Biennale in Sao Paulo und derzeit in einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York.

Worum geht es bei »This much is Uncertain«?

Das verrät möglicherweise bereits der Titel: es geht um die Unsicherheit in der Wahrnehmung und das Erkennen des Gesehenen. Runa Islam montiert in dem vierminütigen 16mm-Film Bilder einer kargen und farbarmen Vulkanlandschaft mit unbelichtetem, zerkratzten Zelluloid und stellt so eine Analogie zum Prozeß des Filmemachens her: Beides, Landschaft und Film sind schwarz und weiß, beides ist wandelbar und metamorphotischen Prozessen unterworfen.

»Spectrums of Light« findet in der Temporary Gallery Cologne statt, dieser Ausstellungsraum fördert eine verstärkte Internationalisierung der Kunstszene in Köln. Teilen Sie diesen Ansatz?

Mir geht es mit der Ausstellung nicht darum, die internationale Kunstszene nach Köln zu holen, sondern gute und nachhaltige künstlerische Ansätze zu zeigen. Es ist in Köln um die Kunst ruhiger und überschaubarer geworden. Hier kann aber auch Potential stecken: Parallel zur Ausstellung findet jeden Mittwoch die Filmreihe »Screening Room: Cologne« statt, in der Filme von Künstlern aus Kölner Galerien gezeigt werden. Auch das ist Aufgabe eines Kurators, die angrenzenden Institutionen einzubinden und die hohe Qualität ihres künstlerischen Programms zu zeigen. 2011-07-29 13:18

Gesprächspartnerin

Regina Barunke

Ausstellungsort

Temporary Gallery Cologne
Mauritiuswall 35
50676 Köln
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