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Deep Blue Sea

USA 1999. R: Renny Harlin. B: Duncan Kennedy, Donna Powers, Wayne Powers. K: Stephen F. Windon. S: Frank J. Urioste. M: Trevor Rabin, Derek Brechin. P: Village Roadshow. D: Saffron Burrows, Thomas Jane, Samuel L. Jackson, LL Cool J u.a.
108 Min. Warner ab 4.11.99

Fischmahlzeit

Von Thomas Warnecke Renny Harlins Film hat weniger mit Jaws zu tun als vielmehr mit The Rock und Titanic: monumentales Actionkino, in dem sich Menschen gegen Naturgewalten sowie gegen die Tücken ihrer eigenen Schöpfungen, etwa der Hochsicherheitsarchitektur von Gefängnissen oder hier der Unterwasseranlagen bewähren müssen. Daß dabei nicht alle durchkommen, macht den Reiz eines solchen Weltuntergangskinos aus.

In Jaws und ebenso in der Eröffnungssequenz von Deep Blue Sea wird in einem Spiel mit den Vorahnungen des Publikums Spannung langsam aufgebaut, um dann den Höhepunkt so lange wie möglich hinauszuzögern. Das dramaturgische Hauptprinzip von Deep Blue Sea liegt dagegen darin, daß Höhepunkte hereinbrechen, ohne daß sie vorher vorbereitet worden wären: wunderschön schockierende Freßorgien der Unterwasserkiller, denen die Wissenschaftler scheinbar willkürlich zum Opfer fallen. Freilich lassen sich im Nachhinein durchaus Auswahlkriterien wie »gut und böse« oder auch »dramaturgisch wertvoll oder weniger« konstatieren…

Neben slashermäßigem Abschlachten gibt es aber auch die Rettung in letzter Sekunde: LL Cool J und Saffron Burrows finden originelle Wege, sich vor den Intelligenzbestien in Sicherheit zu bringen, und als durchaus gewolltes Nebenprodukt fallen dabei Komik und auch ein bißchen Erotik ab.

Natürlich sind die Haie die Hauptattraktion von Deep Blue Sea, und so feiert die Computeranimation größere Triumphe als die Schauspielkunst. Immerhin, Samuel L. Jackson hat eine Präsenz, die der Monumentalität des Films gewachsen ist. Vor allem die Kamera schafft im Zusammenspiel mit der festungsartigen, klaustrophobischen Architektur und dem unheilvoll-hypnotischen Blau des Meeres Sequenzen zwischen Achterbahnfahrt und Inferno.

Routinier Harlin schafft es über die gesamte Länge des Films, dem Zuschauer regelmäßig in die Magengrube zu treten. Renny räumt den Magen auf! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.
© 2012, Schnitt Online

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