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Das Meer in mir

Mar Adentro. E/F/I 2004. R,B,S,M: Alejandro Amenábar. B: Mateo Gil. K: Javier Aguirresarobe. S: Iván Aledo. P: Sogecine, Himenóptero, UGC Images. D: Javier Bardem, Belén Rueda, Lola Dueñas u.a.
125 Min. Tobis ab 10.3.05

Der innere Kampf

Von Nikolaj Nikitin Oft wird ein Schauspieler daran gemessen, wie glaubhaft er einen historisch verbürgten Charakter »verkörpert«. Dabei ist das Wort schon sehr wichtig, denn er schlüpft in seinen Körper und füllt diesen mit Leben für die Leinwandpräsenz auf – er interpretiert ihn aber auch und bringt ihn uns nahe. Dabei besteht die Kunst des Schauspielers nicht so sehr darin, ein bloße Kopie einer Persönlichkeit zu sein (auch wenn sie fast originalgetreu gelungen sein mag wie beim Männchen mit Bärtchen, bleibt sie doch oberflächlich und langweilig, da sie über die reine Ebene des banalen Kopierens nicht hinausreicht), sondern der Schauspieler muß sich einbringen und uns Zuschauer für die Haltung und Handlungen der von ihm dargestellten Person interessieren. Was tut man als Schauspieler aber, wenn die Figur, die man zu verkörpern hat, ans Bett gefesselt ist und damit auch die großen Gesten und Körperbewegungen, die sonst so viel an einer Figur ausmachen?

Heißt man Javier Bardem, macht man das einzig Richtige und nutzt die Chance des minimalistischen Spiels der eingeschränkten Körperfunktionen und erreicht mit Geschichtsausdrücken und natürlich mit der Stimme eine solch brillante Leistung, daß der Zuschauer am Körper des Darstellers klebt, als sei dieser nicht ans Bett gefesselt, sondern ein kämpfender Gladiator in der Arena. Daß Bardems Figur nicht nur das Meer, sondern auch einen tragischen Kampf in sich und mit sich austrägt und dies dem Zuschauer vermittelt, ist zudem der meisterlichen Inszenierung von Amenábar und der poetischen, aber nie kitschigen Bildgestaltung von Aguirresarobe zu verdanken. Das Meer in mir – ist vor allem dank des Hauptdarstellers Kino, wie man es seinesgleichen lange sucht und froh ist, es endlich wieder mal zu finden und sich fesseln zu lassen 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.

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