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Mein blühendes Geheimnis

La flor de mi secreto. E 1995. R,B: Pedro Almodóvar. K: Affonso Beato. S: José Salcedo. D: Marisa Paredes, Juan Echanove, Imanol Arias, Carmen Elias u.a.
105 Min. ab 22.2.96

Von Lügen und Larven

Von Daniel Hermsdorf »Die Einsamkeit der Frauen« proklamiert Almodóvar als Thema seines Films, doch sein Originaltitel variiert geschlechtsunabhängig in fast allen Figuren. Im Film wie im Leben bleibt uns von anderen nur die Oberfläche, und umso mehr überrascht immer wieder ein unsichtbares Geheimnis, das plötzlich erblüht.

Leo (Marisa Paredes) lebt erfolgreich und unzufrieden, schreibt unter Pseudonym Schundromane, bis ihre Realität es verbietet, und vermißt ihren Ehemann (Imanol Arias), einen Kotzbrocken, der sich unschlagbar integer durch seinen Einsatz für die NATO-Friedenstruppen in Bosnien ihrer Zuneigung entzieht. Derweil begeistert sich der Chefredakteur der Kulturbeilage von »El Pais« (Juan Echanove) für Leo und verschafft ihr die Gelegenheit, einen Verriß ihres eigenen Trivialschinkens zu schreiben. Lügen, Larven und Demaskierungen nicht nur der erwähnten Figuren werden unabwendbar.

Mein blühendes Geheimnis findet eine eigentümliche Balance von Überdrehtheit und Melancholie. Almodóvar arrangiert seine Personen in einer designten Metropole, zerstückelt sie in Spiegelungen, vereinsamt sie im Telekontakt und pflanzt dennoch ganz unauffällig eine geheimnis-, d.h. hoffnungsvolle Blume. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #01.
© 2012, Schnitt Online

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