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Motel

Vacancy USA 2007. R: Nimród Antal. B: Mark Smith K: Andrzej Sekula. S: Armen Minasian. M: Paul Haslinger. P: Screen Gems, Hal Lieberman Company. D: Luke Wilson, Kate Beckinsale, Frank Whaley, Ethan Embry u.a.
85 Min. Sony ab 19.7.07

Wischiwaschi

Von Sebastian Gosmann Spätestens seit dem Jahr 1960 weiß der Kinogänger, daß es weit abgelegene, zwielichtige Herbergen wie seinerzeit das Bates’ Motel weiträumig zu umfahren gilt. Daß Drehbuchautoren immer wieder arglose Filmfiguren an heruntergekommenen Gasthäusern aussetzen, um sie dort eines grausamen, unnatürlichen Todes sterben zu lassen, ist durchaus verständlich und zweifellos der Tatsache geschuldet, daß sich an derlei düsteren Settings wunderbar grauslige Geschichten erzählen lassen. Das hat sich wohl auch Mark L. Smith gedacht, als er das Skript zu Motel verfaßte.

Es ist ja nichts einzuwenden gegen den einen oder anderen – wenn auch himmelschreiend herkömmlichen – Schockeffekt. Eine Fratze am Fenster kann eben immer noch als Quell des Grauens dienen. Doch wer ausschließlich auf ausgetretenen Pfaden wandert, der muß zumindest ein paar dramaturgische Tricks und Kniffe im Gepäck haben; sonst kommt mit der Zeit Unzufriedenheit auf. Leider jedoch herrscht in Smiths Überraschungstüte gähnende Leere. Zudem krankt der Plot an seiner Unentschlossenheit. Einerseits will man offensichtlich die Fans von Folterfilmen wie Hostel oder Saw ins Boot holen, die für diesen harmlosen, in doppeltem Sinne blutarmen, Streich allerdings nur ein müdes Lächeln übrig haben dürften, zum anderen will man aber alle anderen über Sechzehnjährigen nicht allzu sehr verschrecken. Nicht einmal eine anständige Katharsis gönnt Smith dem Zuschauer, wenn er die Bösen am Ende nicht etwa in Folge eines mehr als überfälligen Vergeltungsaktes umkommen, sondern – eher unabsichtlich – über den Haufen fahren oder aus Notwehr erschießen läßt.

Aber zum Glück gibt es da ja noch den Regisseur: Nimrod Antal. Nach Kräften ringt er darum, der altbackenen Geschichte Leben einzuhauchen. Vor allem dessen inszenatorischer Klasse ist es zu verdanken, daß Motel nicht vollends kalt läßt. Er weiß die klaustrophobische Enge der Zimmer und Geheimgänge des Pinewood Motels gewinnbringend auszunutzen. Es gelingt ihm fabelhaft, die unausweichliche Bedrohung, der sich die Protagonisten ausgesetzt sehen, auch für den Zuschauer spürbar zu machen und somit ein bemerkenswert intensives Gefühl der Beklemmung auszulösen. Daß es Antal durchaus liegt, das beste herauszuholen aus einer räumlich begrenzten Umgebung, konnte er ja schon mit seinem in der Budapester U-Bahn angesiedelten Debüt Kontroll eindrucksvoll beweisen. Doch letztlich vermag auch sein Können die Drehbuchschwächen dieser Auftragsarbeit nicht wettzumachen. 1970-01-01 01:00
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