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Notting Hill

GB 1999. R: Roger Michell. B: Richard Curtis. K: Michael Coulter. S: Nick Moore. M: Trevor Jones. D: Julia Roberts, Hugh Grant, Hugh Bonneville, Emma Chambers u.a.
120 Min. Universal ab 1.7.99
Von Antje Krumm Während britische Komödien wie Ganz oder gar nicht oder Brassed Off politisch anspruchsvoll und auf unvergleichliche Weise witzig waren, ist die Romantic Comedy Notting Hill eine kommerzielle Produktion von realitätsferner Leichtigkeit. Doch im Gegensatz zu deutschen Humorhits à la Superweib begeistern die UK-Boom-Filme eben nicht nur das einheimische Publikum. Und so verzeiht man Notting Hill seine belanglose Unterhaltsamkeit sofort, denn die Gratwanderung zwischen Kitsch und typisch britischer Skurrilität ist so zauberhaft gelungen, wie es im Augenblick eben nur die Insel-Europäer zu schaffen scheinen.

Die Plot-Idee ist so simpel wie genial: Sie ist der größte Filmstar der Welt, er ein ziemlich erfolgloser Reisebuchhändler. Eines Tages kauft sie bei ihm ein schlechtes Buch, und er bekleckert sie mit Saft. Ein Blick, ein Kuß – und er ist hilflos verliebt in die unerreichbare Traumfrau schlechthin.

Geradezu zwangsläufig ist Notting Hill also ein Film über die Phantasien des Kinogängers, der die unerreichbaren Leinwandidole anhimmelt. Anders als Woody Allen mit The Purple Rose of Cairo unternimmt Mitchell den totalen Realitätstest: Wie verhalten sich Durchschnittsmenschen, wenn ein Traum in ihr Leben tritt. Dies bietet Stoff für knackige Pointen und fiese kleine Beobachtungen, denn nicht nur Amors Opfer, das sich korrekt cool zu benehmen versucht, sondern auch Mitbewohner und Freunde begegnen dem Superstar.

Und genau hier liegt die Qualität von Notting Hill, denn die einfallsreich und nie verächtlich gezeichneten Nebenfiguren spiegeln das ganze Panoptikum möglichen Umgangs mit der Berühmtheit in ihrer Mitte. Kleine Seitenhiebe auf die Medien und ein absurder Interview-Marathon inmitten verkrampfter Filmkritiker, in den der Held unfreiwillig gerät, ergänzen die seltsamen Reaktionen, mit denen die Leading Lady umgehen muß.

Neben Hugh Grant, der seine Routine (intellektuell-krampfig, aber niedlich) noch weiter perfektioniert hat, beweist Julia Roberts, daß ihre Glanzform in Die Hochzeit meines besten Freundes kein Einzelfall war. Doch es sind die Nebendarsteller, allen voran Rhys Ifans als Grants ungewaschener, manierenloser Mitbewohner, die Notting Hill zu dem machen, was es ist: eine im besten Sinne britische Komödie. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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