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Rana's Wedding

Al Qods Fee Yom Akhar. Palästina/NL 2002. R: Hany Abu-Assad. B: Ihab Lamey, Liana Badr. K: Brigit Hillenius. S: Denise Janzée. P: Augustus Film. D: Clara Khoury, Khalifa Natour, Ismael Dabbag u.a.
90 Min. mec film ab 22.01.04

Eine Hochzeit

Von Frank Brenner In einigen orientalischen Ländern wird – nach alter Väter Sitte – auch heute noch häufig anhand gesellschaftlicher Überlegungen geheiratet. Junge Mädchen müssen sich mit dem vom Vater ausgewählten Bräutigam zufriedengeben und dürfen nicht aus Liebe den Bund fürs Leben schließen. Die Palästinenserin Rana hat sich eine gewisse Eigenständigkeit erkämpft, möchte ihren Vater vor dessen Abreise nach Ägypten aber dennoch um seinen Segen für ihre Hochzeit mit Khalil bitten. Dieser steht nicht auf der Liste der vom Vater ausgesuchten Heiratskandidaten für Rana, sondern ist ihre tatsächliche Liebe.

Hany Abu-Assads Film erzählt die Geschichte einer etwas anderen Hochzeit. Sie beginnt in den frühen Morgenstunden eines Novembertages und begleitet die Protagonistin in den nächsten zehn Stunden auf ihrer Odyssee durch Ost-Jerusalem und Ramallah. Wenig Zeit, um den Bräutigam aufzusuchen, die Hochzeit vorzubereiten und den Vater noch vor dessen Abflug vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Abu-Assads Film versucht die momentane Wirklichkeit im besetzten Teil Jerusalems einzufangen und konnte somit nur zu einem politischen Film werden, auch wenn sich die Handlung um etwas scheinbar so alltägliches wie eine Hochzeit dreht. Die Männer auf den Straßen sind alle schwer bewaffnet, Kinder bewerfen die Besatzungstruppen mit Steinen und Molotowcocktails, eine unscheinbare, liegengebliebene Plastiktüte wird zu einer potentiellen Terrorwaffe, Häuser aus der Nachbarschaft werden mit Baggern dem Erdboden gleichgemacht, während Rana ihr Hochzeitskleid anprobiert. Situationen, die in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern einfach unvorstellbar sind, an die sich die Menschen in der Krisenregion des Nahen Ostens aber längst gewöhnt haben. Leben mit der Angst, leben, und keine Angst zeigen.

Rana's Wedding ist ein stiller Film, der Momentaufnahmen aus einem palästinensischen Leben präsentiert, der ohne jegliche Drehgenehmigung an Originalschauplätzen aufgenommen wurde und der am Ende eine essentielle Behauptung aufstellt: In der Hoffnung liegt die Zukunft. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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