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Rumble in the Bronx

USA 1995. R: Stanley Tong. B: Edward Tang, Fibe Ma. K: Jingle Ma. M: Jonathan Wong. S: Peter Cheung. D: Jackie Chan, Anita Mui, Françoise Yip u.a.
91 Min. Constantin ab 11.7.96
Von Nikolaj Nikitin Jackie Chan, der Held meiner Jugend, der einzige legitime Nachfolger von Bruce Lee, der wahrscheinlich beste lebende Martial-Arts-Schauspieler – gepaart mit einer Komik à la Buster Keaton –, der Star des Hongkong-Kinohimmels macht einen Film in den USA (um genauer zu sein: British Canada, denn in den Staaten hätte man wahrscheinlich keine Drehgenehmigung für das Finale bekommen, das durch den Einsatz eines Hovercraft überzeugt), und was passiert? Was immer passiert: Übrig bleibt nur Dreck (im wahrsten Sinne des Wortes). Wenn mit Woo der Gott gestorben ist, so starb mit Jackie sein Sohn.

Eine dümmlich-banale Story (eigentlich kein Hinderungsgrund für einen Actionfilm), bescheuert dekorierte Schauplätze (s.o.), dies nimmt man alles in Kauf – bis auf eines: zu wenig Action, keine Spannung – und daran muß jeder Actionfilm scheitern. Was im Hongkong-Kino klappt, funktioniert in der Bronx einfach nicht. Das klassische Lee-Sujet vom Enkel (Neffen etc.), der in eine neue Umgebung kommt und dort die Feinde seines Opas (Onkels) souverän vernichtet, bietet bei Rumble in the Bronx einfach gähnende Langeweile.

Die Actionsequenzen – die wenigen, die es gibt – sind furios choreographiert und durchgeführt (gelungen ironisch inszeniert ist hierbei der Abspann, in dem man sieht, wie viele Menschen sich bei der Produktion verletzt haben; Jackie selber brach sich ein Bein). Doch leider machen sie nur einen minimalen Teil des Films aus, und der Rest ist ekelhafter moralisierender USA-Mist à la »Nein, Brüder, laßt uns nicht gegeneinander kämpfen, sondern zusammen trinken.«

Bedeutet dies das Aus für's Hongkong-Kino? Auf Ringo Lams Film mit Jean-Claude darf man gespannt sein, doch ob man hoffen kann, bleibt abzuwarten. Ein kleines Trostpflaster bietet da wenigstens die Jackie-Chan-Retro beim Münchener Filmfest. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #03.
© 2012, Schnitt Online

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