— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Sexy Sadie

D 1996. R,B,S: Matthias Glasner. K: Sonja Rom. S: Dirk Grau. M: The Sexy Sadie Orchestra. D: Corinna Harfouch, Jürgen Vogel, Thomas Heinze, Richy Müller, Andreja Schneider, Stephanie Philipp, Gerd Wameling u.a.
100 Min. NIL ab 5.9.96
Von Daniel Hermsdorf Exzellente Schwarzweiß-Fotografie, pointierte Lichtsetzung, intelligentes Filmhandwerk schlechthin: So kommt Sexy Sadie daher, ein »junger deutscher« Film. Im Falle eines Kassenerfolgs müßte allerdings vom Fluch der Verpackung die Rede sein, denn außer netten Einstellungen bleibt nichts übrig von Glasners hanebüchenem Erzählbrei, dem Jürgen Vogel in der Rolle eines vielfachen Mörders namens Edgar mit der versuchten Coolness eines Zivildienstleistenden die letzte üble Würze verleiht.

Glasner überschlägt sich in immer neuen Nachweisen erzählerischen Mißgeschicks: Die Vorgeschichte Edgars läßt er vollkommen unmotiviert in dramatischen Situationen von anderen Personen herunterbeten, obwohl er sie problemlos in Dialoge Edgars mit seiner Gefängnisärztin, die dieser entführt, hätte montieren können. Häufig leitet uns das Drehbuch Ereignisse nicht handlungslogisch her. So etwa macht ein blinder Rächer mit Schrotflinte ein medizinisches Labor ausfindig, in dem sich Edgar nur kurz aufhält. Der running gag des Waffenhändlers, der zufällig nacheinander alle Feinde Edgars beliefert (Zusammenhang?), läuft sich ebenfalls tot, beschleunigt noch durch das ungekonnte »gebrochene Deutsch« seines Darstellers. Edgars zumeist blutig endenden Begegnungen mit den alten Bekannten inszeniert Glasner in einer unstimmigen Mischung aus Quentchen Tarantino, Film noir, bemühtem schwarzem Humor und unerträglichen Rührseligkeiten.

Fazit: Wer sich mit Karl Lagerfelds Fotoroman »Faust« anfreunden mag, wird auch an Sexy Sadie das Kunsthandwerk der Schauwerte und das debile Epigonentum seiner Geschichte zu goutieren wissen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #03.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap