— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Der Felsen

D 2001. R,B: Dominik Graf. B: Markus Busch. K: Benedict Neuenfels. S: Hana Müllner. M: Dieter Schleip. P: MTM, Kinowelt, Bavaria. D: Karoline Eichhorn, Antonio Wannek, Ralph Herforth, Peter Lohmeyer u.a.
Concorde ab 25.7.02

Laterna magica

Von Fritz Göttler Der Felsen ist eine Initiation, glasklar, radikal, die härteste, die es gab im Kino der letzten zwanzig Jahre. Was wir mit dem, was Dominik Graf uns in diesem Film anbietet, anfangen, liegt bei uns. Ein Film an den Grenzen der erzählten, der erzählbaren Welt. Wo das Erzählen wieder/noch eine Frage der Accessoires ist, der geheimnisvollen und verstörenden Objekte, der Versatzstücke, und mit Psychologie nichts zu tun hat. Ein Kino, das sich auf die Ursprünge seiner Profession besinnt, aufs Schamanentum, auf die Magie. Korsika wirkt wie der alte Orient in diesem Film, und mittendrin verläßt er die bewohnte Welt, die eine bewohnbare nicht mehr ist, er begibt sich ins Herz dieser Insel, in die Wildnis und auf die Felsen, die wie eine Wüste der menschlichen Erfahrung sind. Ein Purgatorium. Jenes unerhörte Gefühl stellt sich nach wenigen Minuten ein, auf das großes Kino abzielt, daß man auf einem fürchterlichen Irrweg sich befindet, aber daß es einfach tausendundeinmal sicherer ist und entschieden weiter uns führen wird als jede andere Strecke, wenn wir einfach weitergehen, Schritt für Schritt, immer weiter, auch wenn ein Ende nicht in Sicht kommt.

Die Geschichte der Katrin E., das Geheimnis einer falschen Braut. Karoline Eichhorn, sie ist so unglaublich in diesem Film, wie Karina es war bei Godard und Deneuve bei Truffaut. Der Film versucht, ihre Geschichte in mehreren Perspektiven gleichzeitig zu erzählen, in verschiedenen Zeiten und auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen, es ist, als wären verschiedene verschobene Blicke in jeder einzelnen Einstellung übereinandergelegt, was, so scheint es uns, nur die digitale Kamera wirklich kann, was ihre Natur ist und ihre Zukunft werden könnte. Seelenbilder, Sequenzen direkt aus dem Gehirn. An den Ursprüngen der Wahrnehmung, wo das Visuelle nicht geschieden ist vom Emotionalen. In Der Felsen versucht Dominik Graf jedenfalls zum wiederholten Mal zu zeigen, was der Film an sich mit uns noch so alles veranstalten könnte – wenn man ihn nur läßt. 1970-01-01 01:00

Weitere Autoren

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap