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Der Mondmann

Man on the Moon. USA 1999. R: Milos Forman. B: Scott Alexander, Larry Karaszewski. K: Anastas Michos. S: Adam Boone, Christopher Tellefsen, Lynzee Klingman. M: REM. P: Mutual, Jersey, Cinehaus. D: Jim Carrey, Danny DeVito, Courtney Love, Paul Giamatti, Bob Zmuda u.a.
102 Min. Concorde ab 11.5.00

Andy Are You Goofin’ on Elvis

Von Frank Brenner Schon 1992 wurde Andy Kaufman eine Hommage zuteil. Der REM-Song Man on the Moon rief die Erinnerung an ihn wach. »Now Andy did you hear about this one, tell me are you locked in the punch.«

Aus dem Song ist ein Film geworden und Kaufman der Erde wieder ein Stück näher gekommen. Wäre der Komiker tatsächlich noch am Leben, hätte er es heute leichter, ein Publikum zu finden. Er war seiner Zeit weit voraus. Selbst, wenn man mit seiner Art des Humors nichts anzufangen weiß, muß man anerkennen, daß dieser Minimalismus, diese Verballhornung des Zuschauers und sein Spiel mit der Realität salonfähiger geworden ist und mehr Menschen begeistert als verprellt.

Milos Forman versucht, dem eigenwilligen Stil Andy Kaufmans Tribut zu zollen, indem er dessen ungewöhnliche Pointen zu seinen eigenen macht. Der Kinozuschauer weiß lange nicht, ob die Handgreiflichkeiten vor laufenden Fernsehkameras real oder doch wieder nur von Kaufman inszenierte Shows sind, bis er von Forman eingeweiht wird. Der stereotype Aufbau des Films und der damit einhergehende formale Minimalismus sind deswegen kein Nachteil, sondern gestatten der Figur Kaufmans größeren Entfaltungsraum und geben dem »Mondmann« ein eigenes Tempo.

Beim deutschen Publikum funktionieren Formans Finten freilich noch besser, da die mittlerweile klassischen Episoden der US-Fernsehgeschichte (wie z.B. Kaufmans Auftritt in Fridays) hier sowieso niemand kennen dürfte. Zum Gelingen dieser filminternen Gags tragen eine ganze Reihe ausgezeichneter Nebendarsteller bei. Die Crew aus Taxi (1975) ist fast komplett versammelt.

Der Film verschenkt aber das damit einhergehende Potential. Stars wie Christopher Lloyd, Carol Kane und Judd Hirsch kannten durch ihre langjährige Zusammenarbeit den echten Andy Kaufman, stehen in ihren Szenen allerdings nur untätig herum und machen lange Gesichter zu Kaufmans respektive Carreys Blödeleien. Danny DeVito darf sich als einziger Ex-Kollege entfalten und nutzt dies für eine weitere Paraderolle, spielt sich aber nicht selbst, sondern den Staragenten George Shapiro. Vincent Schiavelli ist ebenfalls auf der ganzen Linie überzeugend. Er mimt den Verantwortlichen bei der ABC. In einer Szene ist er noch der ungläubige Produzent, der am Verstand des Komikers und seines Agenten zweifelt, in der nächsten ist er schon Bestandteil eines Sketches – und genießt es. Seine Wandlung vom skeptischen Auftraggeber zum hingebungsvollen Fan ist kennzeichnend für den Charme, den der echte Andy Kaufman besessen haben muß und der sich selbst in Jim Carreys Darstellung offenbart. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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