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Rendezvous in Paris

Les Rendez-vous de Paris. F 1995. R,B: Eric Rohmer. K: Diane Baratier. S: Mary Stephen. M: Sébastien Erms. P: Compagnie Eric Rohmer, Canal+. D: Clara Bellar, Antoine Basler, Mathias Megard, Aurore Rauscher, Serge Renko, Michael Kraft, Bénédicte Loyen u.a.
95 Min. Pierrot Le Fou ab 18.7.08

Sp: Deutsch (DD 2.0), Französisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Ex: Interview, Trailer.

Kleine Wanderungen

Von Thomas Warnecke Es stimmt nicht, daß in Eric Rohmers Filmen immer nur geredet wird. Es wird auch gesungen. Rendezvous in Paris beginnt mit einem Chanson, quasi als Rahmen für die folgenden drei Episoden. Rohmers vorheriger Film, Der Baum, der Bürgermeister und die Mediathek, endete mit einem von allen Protagonisten und den Dorfbewohnern gesungenen Lied. Dazu erinnert der Kirchturm, der am Ende der Pariser Straße zu sehen ist, in der die Chansonnette singt, an den Dorfkirchturm in Der Baum, der Bürgermeister und die Mediathek. Kurz, Rendezvous in Paris wirkt wie die städtische Antwort auf die bezaubernde Provinzgeschichte. Und in gewisser Weise geht es im Paris-Film auch um Politik – um die Politik der Liebe nämlich. In der ersten Episode versucht eine Studentin, ihren Freund eifersüchtig zu machen. Bei aller Beiläufigkeit, mit der Straßen und Plätze in Szene gesetzt sind, Dialoge wie improvisiert scheinen und die Parlierenden mit quasidokumentarischer Handkamera verfolgt werden – Paris ist ein genau umrissenes Spielfeld, auf dem Regeln gelten, die Figuren scheinen wie ihr Schöpfer durch die zahllosen Liebes- und Gesellschaftsschulen der Molière und Marivaux (und Rohmer) gegangen zu sein.

Die zweite Episode ist die »freieste«, ein einziger Spaziergang, in dem der Stadt-Land-Dialog aus Der Baum, der Bürgermeister und die Mediathek unter anderen Vorzeichen aufgenommen wird, um von dort, von Gärten und Parks und Skulpturen, zum Liebesdiskurs zu gelangen.

Der Titel des Films, die Inhaltsangabe der einzelnen Episoden, überhaupt das schon bekannte Œuvre Rohmers – was wie eine Variation von Immergleichem aussieht, ist es auch und auch wieder nicht. Es gibt einen Witz von einem Postbeamten, der von einem Freund gefragt wird, ob das nicht langweilig sei, tagein tagaus Briefe zu stempeln. Antwort: »Wieso, ist doch jeden Tag ein anderes Datum.« Bei Rohmer gibt es immer ein neues, nie dagewesenes Gespräch. Die Unterhaltung entzündet sich z.B. am Stadtviertel oder an Kunstwerken wie in der dritten Episode, und es ist völlig unerheblich, daß andere möglicherweise über dieselben Dinge reden. Deshalb besteht »sie« in der zweiten Episode darauf, mit »ihm« allein zu sein oder jedenfalls nicht dahin zu gehen, wo sie auf andere Verliebte treffen. Damit hat sie sich als Rohmer-Zuschauerin allerdings disqualifiziert…

Robert Walser hat geschrieben: »Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen. Man sieht so schon viel.« Rohmer ist der Filmer dieses Vielen im Unbesonderen. Ein bißchen zerebral vielleicht, trotzdem: Eigentlich überflüssig zu sagen, daß es kaum unterhaltsamere Filme gibt. 2009-02-09 11:44

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