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Labyrinth der Leidenschaften

Laberinto de pasiones. E 1982. R,B: Pedro Almodóvar. K: Ángel Luis Fernández. S: José Salcedo. M: Bernardo Bonezzi, Fany McNamara. P: Alphaville, Ha Sido Producida. D: Cecilia Roth, Imanol Arias, Helga Liné, Concha Grégori, Antonio Banderas u.a.
94 Min. UFA ab 3.11.08

Sp: Deutsch (DD 2.0 Mono), Spanisch (DD 2.0 Mono). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Keine.

Sein Universum im Rohschnitt

Von Thomas Warnecke Das titelgebende Labyrinth ist eines der Personen und ihrer sich kreuzenden Gelüste, als da wären: eine lichtempfindliche Nymphomanin; deren Vater, ein auf künstliche Befruchtung spezialisierter Frauenarzt, der sich vor Sex ekelt; die adipöse Psychologin oder vielmehr die Karikatur einer solchen, die es auf den berühmten Mediziner abgesehen hat; der schwule Sohn des Kaisers von Tiran und die unfruchtbare Exfrau desselben; ein Schwuler mit überentwickeltem Geruchssinn; dessen WG-Mitbewohner, islamistische Terroristen; eine Tochter und ihr Vater, der sie für seine davongelaufene Ehefrau hält – um nur die wichtigsten zu nennen. Das Madrid dieses Films ist Schauplatz eines postfranquistischen Dauerrausches, und ein interessanter Aspekt dieses zweiten kommerziell ausgewerteten Films Pedro Almodóvars ist, daß er wohl aus Kostengründen hauptsächlich bei Tageslicht gedreht ist, was wiederum viel dazu beiträgt, dieses ganze Durcheinander aus Punk und Schweinigelei nach spätestens fünf Minuten irgendwie normal zu finden.

Verglichen mit seinen späteren Filmen sind die entsprechend den Personen zahlreichen Schauplätze hier noch nicht so primärfarbengesättigt, und für Gefühle in Großaufnahmen oder eine besondere Tiefenstruktur der Charaktere ist auch keine Zeit. Das führt dazu, daß die vermeintlichen Hauptfiguren – die nymphomane Sexilia und der Kaisersohn Riza – fast im skurrilen Ensemble untergehen. Das wiederum hat durchaus Stil: den eines Fotoromans nämlich, so à la »Bravo« mit ein bißchen mehr Umdrehungen. Fast alles spielt sich in Halbtotalen bis halbnahen Einstellungen ab, und praktisch immer sind mindestens zwei Personen im Bild. Labyrinth der Leidenschaften ist eine verfilmte Underground-Illustrierte, deren Witz darin besteht, nicht nach Underground auszusehen, eine überdrehte Madrilener Lindenstraße, Dokument des »Movida-Madrilena«-Geistes (über den man leider in den bescheidenen Extras nichts erfährt) – und radikal privat-obsessiv, in einem Interview hat Almodóvar tatsächlich Sissi als Inspiration angegeben, man könnte auch Roman Holiday nennen, ein herzhafter Griff zum Kitsch also, und der »Kaiser von Tiran«- und »Toraya«-Verbalmummenschanz hat wirklich mehr mit den Fantasiekönigreichen klassischer Hollywoodromanzen zu tun als mit dem 1982 schon nicht mehr »brisanten« Gewese um den Schah von Persien. Die Screwball-Comedy Labyrinth der Leidenschaften ist gröber als die späteren Filme Almodóvars, enthält aber schon viele der charakteristischen Motive quasi in Rohfassung. Zum Abgleich gibt es gleich die ganze Edition mit insgesamt 14 Filmen, deren Name da lautet »Pedro Almodóvar - Die große Edition«. 2009-02-26 12:00

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