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Becket

GB/USA 1964. R: Peter Glenville. B: Edward Anhalt. K: Geoffrey Unsworth. S: Anne V. Coates. M: Laurence Rosenthal. P: Paramount, Keep. D: Richard Burton, Peter O'Toole, John Gielgud, Gino Cervi u.a.
148 Min. EuroVideo ab 6.11.08

Sp: Deutsch (DD 1.0), Englisch (DD 2.0). Ut: Keine. Bf: 2.35:1 Letterbox. Ex: Audiokommentar, Interviews.

Europäischer Qualitätsstoff

Von Thomas Warnecke »Der Heilige« nannte 1879 Conrad Ferdinand Meyer schlicht seine Novelle, »Mord im Dom« hieß schon dramatischer T.S. Eliots christlich-antifaschistisch motiviertes Versdrama 1935, und mit »Becket oder die Ehre Gottes« hatte Jean Anouilh 1959 den Konflikt quasi auf den Punkt und jedenfalls erfolgreich auf die Bühne gebracht. Sein Schauspiel lieferte die Vorlage für Peter Glenvilles Film. Der Fall des Märtyrers Thomas Becket ist Teil des großen mittelalterlichen Konflikts zwischen weltlicher und göttlicher bzw. kirchlicher Macht, und anders als der Gang nach Canossa, der dem gleichen Konflikt entsprang, ist er aufgrund der menschlich-dramatischen Komponente bestens für Dramatisierungen geeignet. Kurz gefaßt: Becket ist ein gewandter junger Mann und bester Freund, Saufkumpan und »Lochschwager« des englischen Königs Heinrich II., den er bei seiner antiklerikalen Politik unterstützt, wofür er zum Dank zum Lordkanzler gemacht wird und schließlich – zum Erzbischof von Canterbury, dem wichtigsten geistlichen Würdenträger Englands. Heinrich glaubt so, einen willfährigen Helfer auf Seiten der Kirche zu haben, Thomas hingegen scheint offenbar zum ersten Mal so etwas wie eine Aufgabe, Verantwortung oder Idee von Sinn zu verspüren: die Ehre Gottes. Er stellt sich gegen seinen Freund und Förderer, muß ins Exil, darf zurückkehren und wird vorm Altar totgeschlagen.

Wenn auch nicht so »cinegen« wie etwa die Geschichte Jeanne d’Arcs, wurde das doch allenthalben als bedeutender Stoff empfunden (zu recht), und das hieß, wie der zeitgenössischen Rezeption (zwölf Oscarnominierungen, einen gewonnen fürs adaptierte Drehbuch) und bis heute fortgeschriebenen Beurteilungen zu entnehmen ist: bedeutender Film. Zu Unrecht.

Glenville hat sich nicht so recht zwischen Ideendrama und Ritterfilm entscheiden können, Setting und Kostüme liefern bunten, aber nicht lebendigen Mittelalter-Hochglanz, ohne daß eine visuelle Nähe zur tatsächlich knallbunten Bildsprache jener Zeit bestünde. Sehenswert ist der Film allein wegen des aufgebotenen Großmimentums: statt Laurence Olivier und Anthony Quinn, mit denen Glenville 1960 das Stück am Broadway inszenierte, standen jetzt mit Richard Burton als Becket und Peter O’Toole als Heinrich zwei haudegenhaftere, ach was, alkoholischere Darsteller vor der Kamera, wobei wir meinen, daß Burton im ganzen etwas sauertöpfisch-verkatert wirkt, während O’Toole die agile Rampensau mit feuchten Augen gibt – der menschliche Part ist gelungen, der heilige weniger. Was aber nach Ansicht einiger Geschichtsschreiber auch auf die historischen Vorbilder zutrifft. 2009-03-03 11:53

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