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Let's Make Money

A 2008. R,B,K: Erwin Wagenhofer. S: Paul M. Sedlacek. P: Allegro Film.
103 Min. EuroVideo ab 18.6.09

Sp: Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Making of, Deleted Scenes, Kinotrailer.

It’s a Rich Man’s World

Von Sven Lohmann Passend zur Finanzkrise, heißt es gern, erscheine Let's Make Money – dabei sei gleich vorweggenommen: Hier geht es nicht um die aktuelle Finanzkrise, nicht um die Immobilienblase in den USA und deren Auswirkungen. Let's Make Money, nach We Feed the World der neue Dokumentarfilm des Österreichers Erwin Wagenhofer, will vielmehr allgemeingültig die Mechanismen erklären, nach denen der internationale Finanzmarkt funktioniert. Als Aufhänger nimmt Wagenhofer einen Slogan, mit dem Banken gern für Renten- und Investmentfonds werben: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten! Daß Geld nicht wirklich arbeiten kann – so wie Menschen – ist ja klar und sich einfach so vermehren kann es auch nicht. Damit ist der Ausgangspunkt ein Problem, das im Grunde so simpel ist, daß jedes Kind es benennen könnte: Wenn Geld angelegt und auf der Bank mehr wird, dann muß es irgendwo dementsprechend weniger werden. Die Frage ist nur, wo.

So reiste Wagenhofer drei Jahre lang um die Welt; auf der Spur des Geldes, das die Banken bei uns in Rentabilität versprechende Anlagemöglichkeiten investieren. Er findet es beispielsweise in Indien, wo das hiesige Geld (neben den Steuern der Einheimischen) in westlichen Industrieprojekten angelegt wird, die wiederum mit Billiglohnarbeitern ihre Gewinne einfahren. Oder in Spanien, wo es in riesige, teure und billig erbaute leerstehende Hotels und Wohnparks investiert worden ist – danebst mit irrwitzigem Aufwand bewässerte Golfplätze, eigens um den Wert zu steigern. Darüberhinaus will seine Reise aber einen – im Wortsinne – ganz globalen Überblick geben über das, was man gemeinhin als Neoliberalismus bezeichnet; erklären, was etwa das Nord-Süd-Gefälle mit dem deregulierten Finanzsystem und der Weltbank zu tun hat oder was der Sinn von Minimalstaat und Privatisierung ist.

Man sieht: Wagenhofer hatte sich nicht wenig vorgenommen mit seinem Projekt; insbesondere deswegen, weil sich hier ja keine »Geschichte« linear erzählen lassen kann, sondern ein Netz von Zusammenhängen erläutert werden muß, die noch obendrein nicht immer visuell gut darstellbar sind. So erscheint die Form von Let's Make Money auch ein wenig versprengt, was aber kaum umgehbar gewesen sein dürfte. Roter Faden ist letztendlich die Kritik am westlichen Wirtschaftsverständnis. Baumwolle aus Burkina Faso, die außer kaputten Böden nichts einbringt, weil die USA ihre eigene Baumwolle subventionieren und dazu noch die Schutzzölle von »Entwicklungsländern« abschaffen wollen; Vermögen, die in Steueroasen schlummern und die, versteuert, die halbe Welt ernähren könnten; ein ehemaliger »Wirtschafts-Hitman« erklärt, wie der Westen armen Ländern Schulden aufbürdet für »Entwicklungsprojekte«, die aber letztlich nur der Elite dienen: Let's Make Money läßt keinen Zweifel daran, daß der Reichtum der Industrieländer ohne die Armut des Trikonts überhaupt nicht denkbar wäre – und eben umgekehrt das eine das andere verursacht. Daß damit jeder Bürger, der sein Geld anlegt, als Nutznießer indirekt beteiligt ist an dem ganzen Elend: Diese doch recht bittere Konsequenz aber zieht der Film nicht explizit.

Weil hier ein grober Überblick vermittelt werden soll, ist einiges von dem, was Wagenhofer aufzeigt, zwar leider nur allzu wahr, aber auch nicht eben neu. Dazu gehören Themen wie Privatisierung und die Ausbeutung der Arbeiter in armen Ländern, über die schon Dokumentarfilme unlängst zuvor mit weniger Breite und mehr Tiefe aufmerksam gemacht haben, etwa Darwins Alptraum, Der große Ausverkauf oder Eisenfresser – und mit denen Let's Make Money sich den Vergleich gefallen lassen muß. Und: Wagenhofer, der selber auch die Kamera führte, findet bisweilen schöne Bilder, oft aber wünscht man sich, er würde einfach mal öfter Leute mit Ahnung länger am Stück erzählen lassen. Als kritische Einführung zum Thema Finanzmarkt tut Let's Make Money jedoch seine ordentlichen Dienste.
2009-07-10 10:31

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