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Long Weekend

AUS 2008. R,S,M: Jamie Blanks. B: Everett De Roche. K: Karl von Moller. P: Arclight Films. D: James Caviezel, Claudia Karvan.
85 Min. Sunfilm ab 14.8.09

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2,35:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, Making Of, Trailer.

Schlachtruf der Wildnis

Von Nils Bothmann In den Zeiten von Ozonlöchern und schwindenden Ressourcen ist das Umweltbewußtsein diverser Menschen immer noch enttäuschend niedrig. Da lädt man gebrauchte Kühlschränke im nächsten Wald ab oder kippt sein altes Spülwasser in die hilflose Botanik, und Mutter Natur kann sich nicht wehren, wenn nicht gerade Greenpeace-Aktivisten, Grünenwähler oder verantwortungsbewußte Mitbürger zur Stelle sind, um das stellvertretend für sie zu tun. Long Weekend, Jamie Blanks’ Remake des gleichnamigen Horrorthrillers von 1977, wartet mit einem Szenario auf, in dem Mutter Natur wesentlich aktiver gegen ein rücksichtsloses Yuppie-Paar rebelliert, das sich auf einem Campingtrip wie die sprichwörtliche Axt im Walde verhält. Zumindest ist dies eine der Deutungen, die Blanks dem Zuschauer anbietet. Gleichzeitig könnte es sich bei all den seltsamen Ereignissen um Einbildungen des Protagonistenpaares handeln, sie könnten auch von Menschenhand angerichtet sein, und selbst das Ende des Films läßt offen, welche Deutung nun die richtige ist.

Insofern entsteht das Grauen hier auch durch die Filmtechnik, denn das Nichtzeigen, das Offenlassen spiegelt sich weniger auf diegetischer Ebene wider. Das Gefühl der Bedrohung wird meist durch die Montage geschaffen, an die Stelle von einer im Bild sichtbaren Gefahr tritt die technische Suggestion derselben. So arbeitet Blanks lange Zeit mit einem wenig Überblick bietenden Bildkader sowie einer niedrigen Schnittfrequenz, um diese dann in den bedrohlichen, grausigen Momenten des Films anzuziehen, ehe das hektisch montierte Finale offenläßt, ob sich die beiden nun einer manifesten Gefahr für Leib und Leben oder ihrer eigenen Imagination stellen. Auf krude Effekte und ein Übermaß an Gewalt verzichtet Blanks nach seinem wenig zimperlichen Storm Warning und beweist, daß er auch die ruhigere Gangart beherrscht.

Doch so erfreulich suggestiv Long Weekend auch gemacht ist, dramaturgisch hat er dennoch ein großes Problem: Er läßt sich zu lange Zeit. Bis das Grauen wirklich schwere Züge annimmt, bis die Geschichte so richtig in Fahrt kommt, bis dahin sind bereits zwei Drittel des Films vergangen. Von daher könnte sich die Exposition kürzer fassen, das Finale dagegen länger sein, auch wenn sich Long Weekend in der Anfangsphase in einem Punkt deutlich von vergleichbaren Genrefilmen unterscheidet: durch seine bemerkenswert unsympathischen Protagonisten. Das Paar schert sich wenig um die Umwelt, doch auch gegenüber dem Partner dominiert meist der harsche Ton. Langsam rückt Long Weekend dabei mit Hintergrundinformationen über eine Affäre und eine Fehlgeburt in der Vergangenheit der Protagonisten heraus, doch entschuldigt seine Hauptfiguren nicht. So schwer diverse Schicksalsschläge sie auch trafen, eine veritable Entschuldigung für ihr dekadent-egoistisches Verhalten ist es nicht. Und Mutter Natur akzeptiert solche Ausreden erst recht nicht, soviel deutet das Ende zumindest an. Die Klasse von Blanks’ vorherigem, fiesen Geheimtip Storm Warning erreicht Long Weekend dabei aber leider nicht ganz. 2009-08-10 12:22

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