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Blutrausch – Eaten Alive

Eaten Alive. USA 1977. R,M: Tobe Hooper. B: Kim Henkel, Alvin L. Fast, Mardi Rustam. K: Robert Caramico. S: Michael Brown. M: Wayne Brown. P: Mars Productions Corporation. D: Neville Brand, Mel Ferrer, Marilyn Burns, Kyle Richards, Robert England u.a.
87 Min. Epix ab 24.7.09

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, verschiedene Featurettes, Trailer u.a.

Alles Sense?

Von Nils Bothmann »My name is Buck and I’m here to fuck«, so heißt es in Quentin Tarantinos Kill Bill: Volume 1. Wie so vieles bei Tarantino ist auch dies ein Zitat, eine ungefähre Wiederholung der ersten Worte, die in Tobe Hoopers Eaten Alive gesprochen werden. »My name is Buck and I’m rarin’ to fuck« erzählt der vom späteren Freddy Krüger Robert Englund gespielte Buck einer Prostituierten. Hoopers voriges Werk, sein Langfilmdebüt The Texas Chainsaw Massacre, hatte die Gemüter erhitzt und Hooper als Wunderkind des Horrorfilms gebrandmarkt. Bei späterer Betrachtung stellt man fest, daß Hooper als sprichwörtliches blindes Huhn mit diesem Film sein Korn fand. Die Stephen King-Verfilmung Brennen muß Salem konnte von der starken Vorlage zehren, Hoopers bester Film Poltergeist wurde Gerüchten zufolge zum Teil von Steven Spielberg gedreht, der Rest seiner Filmographie spricht Bände: Die Handschrift eines Genrevirtuosen trägt Mittelmaß wie Das Kabinett des Schreckens nicht, von Rohrkrepierern wie Crocodile ganz zu schweigen.

Doch bereits Eaten Alive zeigt überdeutlich, daß TCM ein experimenteller Glücksgriff war, dessen Mut zur Andeutung und dessen ungewöhnliche Machart eher dem Begleitumstand des geringen Budgets geschuldet waren als Hoopers Können. Eaten Alive basiert ähnlich wie die Klassiker Psycho, Das Schweigen der Lämmer und TCM partiell auf realen Ereignissen; während jene drei Ed Gein als Vorbild angaben, verweist Eaten Alive auf den Mörder Joe Ball. Der im Film Judd getaufte Schlitzer killt Gäste in seinem schäbigen Hotel, am liebsten mit einer Sense, um sie dann an seinen Alligator zu verfüttern, was Hooper (hier mit mehr Budget im Rücken) mit größter Zeigefreudigkeit und ohne psychologische Finesse ablichtet. Blutige Schockeffekte sind das Hauptinteresse des Regisseurs, der anscheinend darauf hoffte, daß die Zuschauer darüber die nicht existente Geschichte, die lächerlichen Darstellerleistungen und die offensichtlich als solche erkennbaren Studiokulissen vergessen würden. Doch Hooper mag das Set noch so sehr mit Kunstnebel eindünsten und grellstes Rotlicht draufhämmern: Der Erdboden vor dem Hotel sieht immer noch so aus, als sei er frisch von OBI abgeholt und dann verlegt worden.

Die Sorgfalt, die selbst ungeschliffenen Frühwerken von Horrorikonen wie Craven, Cronenberg oder Carpenter anzumerken ist, geht Eaten Alive völlig ab; während der Ideenreichtum der Konkurrenz nicht beim Gewaltpotential aufhörte und die Filme dadurch zu Unikaten wurden, drehte Hooper einen Terrorfilm unter vielen, der heute nur noch vom Ruf seines Regisseurs zehrt. Da ist es schon fast schade um die Mühe, die sich die Firma Epix mit ihrer DVD des Films machte: Zum ersten Mal erscheint der Film ungekürzt in Deutschland, noch dazu in recht guter Bild- und Tonqualität für derartige Exploitationkost und mit massig Bonusmaterial veredelt. Doch so liebevoll die Ausstattung auch zusammengetragen sein mag: Eaten Alive wird dadurch nicht die Bohne interessanter. 2010-04-22 09:30

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